Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

Barry Cornwall Bart und Barthaare 75

zu gehen, von wo er Ausflüge nach Florenz, Bologna und Neapel machte. In Italien, wo ersich drei Jahre aushielt, bildete er seinen Geschmack durch das Studium großer Meisterwerke,lernte sie trefflich beurtheilen und schrieb gründliche Kritiken über sie. Nach seiner Rückkehrward er zum Mitglieds der königlichen Akademie und zum Professor der Malerkunst er-nannt. In der kurzen Zeit von drei Jahren führte er die sechs großen allegorischen Ge-mälde aus, die den großen Saal der Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste verzieren.Originell und oft geistvoll kämpfte er unablässig, selbst mit schweren Entsagungen, für diehöhere ideale Würde der Kunst; aber es fehlte ihm dabei an aller gediegenen technischenDurchbildung, um seinen Gedanken das entsprechende körperliche Gewand zu geben. GroßenBeifall fand sein 1775 in London erschienenes Werk über die Hindernisse, welche in Eng-land dem Fortschreiten der Künste entgegentreten.

Barry Cornwall, s. Proctor (Bryan Waller).

Bart und Barthaare nennt man den dem männlichen Geschlecht« eigcnthümlichenHaarwuchs um den Mund, das Kiny und an den Wangen; die anatomischen Verhältnissesind dabei im Ganzen dieselben wie bei den übrigen Haaren, nur daß die Barthaare gewöhn-lich einen derbern Schaft haben, kürzer als das Haupthaar, länger aber als die Haare amübrigen Körper sind und daß ihre eigentliche Entwickelung erst um die Zeit der Pubertät be-ginnt. Gewöhnlich zeigt sich der Bart beim Menschen zuerst an der Oberlippe (Schnurr-bart oder Schnauzbart), wo er überhaupt den regelmäßigsten und darin von dem anden übrigen Theilen abweichenden Wuchs zeigt, daß die Richtung der Haare nicht blos ab-wärts, sondern auch zugleich schräg nach auswärts geht, wodurch bei der Cultur des Bartesder Kneb elbart entsteht; am spätesten bricht der Backenbart aus, dessen Haare dieRichtung von vorn nach hinten haben. Während bei den behaarten Thieren die Bart-haare als Tastorgane bestimmt sind, haben sie beim Menschen diese Bedeutung dem größ-ten Theil nach eingebüßt, man müßte denn den Schnurrbart als eine Art sinnliches Organbetrachten, wofür die sympathischen Beziehungen des Bartes zu den Zeugungsorganenallerdings zu sprechen scheinen; denn erst wenn letztere sich zu einem selbständigem Lebenentfalten, beginnt die Entwickelung des Bartes, und seine vollständige Ausbildung ist eins dervorzüglichsten äußern Zeichen der vollendeten Geschlechtsreife des Mannes; daher fehlt er auchdem vor der vollendeten Pubertät Castrirten und selbst bei Denen, welche später ihre Testikelverloren, erreicht er nur unvollkommen seine Ausbildung. Dennoch ist der Bart keineswegsein allgemeingültiger Beweis der Zeugungsfähigkeit und wirklicher Reise, wenigstens nicht inder gegenwärtigen Zeit und unter den Völkern, wo die Cultur ihren verweichlichenden Ein-fluß geübt hat. Auch ist es ein Jrrthum, wenn man nur diese Beziehung des Bartes zu derZcugungsfähigkeit als das eigentliche Wesen desselben oder seine eigentliche Bestimmungauffaßt; denn wie überhaupt Haare vorzugsweise an solchen Stellen am üppigsten auf-svrossen, wo viele Feuchtigkeit ab- und ausgesondert wird, so auch der Bart, daher auch dieÄrzte mit Recht das Wachsenlassen des Bartes unter dem Kinn und am Halse hinunterDenen empfehlen, welche an einem krankhaften Zug der Säfte zum Kehlkopf und derRachenhöhle leiden, und wie alle Haarbildung am übrigen Körper außer auf dem Schädelbeim Manne stärker und kräftiger erfolgt, so auch im Gesicht. Daher kann man den Bartnur als einen Beweis des vorherrschenden Strebens der Zeugung und Entwickelung nachaußen betrachten; er fehlt der Frau, so lange in ihr das Streben vorwaltet, in sich zuzeugen und zu empfangen, Kitt aber in den spätern Jahren auch bei ihr hervor gleichwie beidem unfruchtbaren Mannweibe. Die Farbe des Bartes kommt gewöhnlich mit der des Haupt-haares überein, doch gibt es hier eine Menge Nuancen und namentlich spielt er da, wo Anlagezu Skrofeln vorhanden sind, insRöthliche. AufdieLänge, Dichtigkeitu. s. w.hatdas Klimaund die Nationalität einen wesentlichen Einfluß. Er findet sich am üppigsten bei den Völkernslawischen und keltischen Stamms, und bekannt waren im Alterthum schon die bärtigenScythen. Dagegen sind die Urbewohner Amerikas fast sämmtlich bartlos; Engländer,Franzosen und Schweden zeichnen sich aus durch ihre schönen Backenbärte; der Ungar iststolz auf seinen Knebelbart, wie der Orientale und Türke auf sein bärtiges Kinn, welchesihm heiliger ist als seine Person, weshalb er auch bei seinem Bart schwört. Indessenhält es schwer, hierüber genaue Beobachtungen zu machen, da schon sehr frühzeitig sich