Bailkeu 21
Banken. Die Vermehrung von Gegenständen des Umtausches und der durch denvergrößerten Bedarf erhöhte Werth derselben haben es nach und nach selbst in den nur Acker-bau treibenden Ländern unmöglich gemacht, alle Handelsgeschäfte durch baares Geld aus-zuglcichen. Man hat daher, besonders in allen Handelsstaaten, sich genöthigt gesehen, aufMittel zu sinnen, um den Gebrauch des Goldes und Silbers zu beschränken, und beides zuersetzen. Das erste war Debet und Credit in offenen Rechnungen, wodurch Derjenige, welcherden größern Betrag an Waaren erhielt, nach einer bestimmten Zeit nur den Rest seinemGeschäftsfreunde baar einzusendcn hatte, wenn sie es nicht vorzogen, ihn beim nächsten Ge-schäfte in Anrechnung zu bringen. Bei gesteigerten Bedürfnissen und größerm Verbrauchevermehrten sich natürlich auch die Geschäfte, der zeitherige Virecte Umtausch von Waarenzwischen zwei Handelsfreunden mußte größtentheils aufhörcn, weil die vermehrte Nachfrageden Kaufmann nöthigte, nicht mehr mit vielerlei Waaren sich zu befassen, sondern seine Zeitund sein Capital nur wenigen, selbst nur einem Handelsgegenstande zu widmen. Hierzukommt noch, daß der Wirkungskreis sich immer mehr ausdehnte; der früher auf höchstenszehn Meilen beschränkte ward fünfzig, dann hundert und mehr Meilen groß, und endlich istes dahin gekommen, daß Weltthcile durch schnellere Verbindung sich näher gebracht wordensind als sonst Städte, welche nur fünfzig Meilen voneinander lagen. Sowie ein Kauf-mann nun nicht mehr mit jedem Artikel handeln konnte, ebenso war es nicht jedem möglich,seine Geschäfte nach so weiter Ferne zu führen. Es entstand daher der Zwischenhandel; Ukaufte wol noch von verkaufte aber ihm nicht mehr andere Waaren, sondern an (l dievon ^ erhaltenen. Es mußte daher außer baarer Bezahlung und Ausgleichung durch Debetund Credit noch eine dritte Zahlungsweise ermittelt werden, und diese fand man in denWechseln und Anweisungen, wodurch ungeheure Summen, fern und nah nur mittels ein-facher Briefe bezahlt und Federungen ausgeglichen wurden. Durch Sendungen baarenGeldes dies zu bewirken, würde schon seit langer Zeit rein unmöglich gewesen sein, dennaugenscheinlich hätte ohne die angenommenen zwei Mittel die Menge der umlaufenden edelnMetalle sich auf eine unberechenbare Höhe belaufen müssen, um allen Anfodcrungcn undGeschäften zu genügen.
Dennoch reichten bei zunehmendem Verkehre diese Mittel in den größten Handels-staaten nicht mehr aus. Schon im 12. Jahrh. errichteten die Venetianer zur Erleichterungdes Geldverkchrs eine Anstalt, worin ein jeder.Geschäftsmann eine beliebige Summe inbestimmten Münzsorten einlcgen, und durch Ab- und Zuschreiben daselbst seine Schuldenberichtigen und seine Federungen einziehen konnte. Die V nrtheil«-derselben fallen in dieAugen; das beschwerliche Hin- und Hertragen des Gelbes hörte auf; man konnte durchschlechte Münzsorten nicht mehr betrogen werden, und die guten wurden nicht abgenutzt, weilsie unangerührt in den Kellern dieser Anstalt liegen blieben, welche vanco 6el giro, d. h.Bank des Umschreibens, genannt wurde, und zwar Bank deswegen, weil die Geldwechslerin Italien damals auf öffentlichen Plätzen ihre Geschäfte auf Tischen und Bänken besorgten.Genua errichtete im 15. Jahrh. eine ähnliche Anstalt, und Amsterdam folgte im J. 1K09.Für die sich immer mehr ausbreitcnden und vergrößernden Geschäfte waren indessen dieseeinfachen, nur für die Stadt, wo sie sich befanden, und für ihren Umkreis berechneter! An-stalten nicht mehr hinlänglich. Es mußte ein Mittel ausfindig gemacht werden, wodurchder Umlauf des Geldes die größte Schnelligkeit erlange, und Millionen mit einem Er-staunen erregenden Grade von Leichtigkeit und Sicherheit bezahlt und empfangen werdenkönnen. Man fand cs in London im I. 169-t durch Gründung der Bank von England,welche die erste Depositen-, Disconto- und Zettelbank war, und gegen die zcitherigen be-scheidenen Girobanken sehr abstach, deren keine einzige sich mit diesen neuen Geschäftszweigenzeithcr befaßt hatte. Girobanken sind also diejenige Gattung Banken, bei welchen edlesMetall in Barren oder gemünzt hinterlegt und über die dargebrachte Summe dem Hinter-leger ein Credit auf den Büchern der Bank eröffnet wird. Einem Jeden, welcher darin edlesMetall niedcrgelegt hat, wird im Hauptbuche der Bank die eingelegte Summe, nach Bank-geld berechnet, auf ein eigenes Blatt (Folium) angezeichnct; hat er dann an einen DrittenZahlungen zu leisten, so braucht er nur eine Anweisung zu geben, die zu zahlende Summe vonseinem Blatte ab- und auf dem Blatte des Empfängers zuschreiben zu lassen. Es versteht