Ein Funke vom Jahre 1830 .
Aus dem ABC des Kölner Maskenfestes.
tern, scharfsichtig, human; es liebtdie Arbeit und ist dem Müßig,gang abhold. Der Trägheit, dieden Verstand abstumpst und dieJugendkraft lähmt und erschlafft,ist der Kölner feind. Keine Stundeist eitlem Tand gewidmet, seinGott ist nicht der Bauch und seinSinn steht nicht auf die Freudendes Bechers ..." Also der be-kannte Humanist Hermann Bu-schius in seinem Loblied auf Köln,gedruckt 1508 unter dem Titel:„In amptissimas olar. urbis 60I0-lüas tauäom Uorinanni UnsebiiUasiMIi 8)1va eui titulus Illora."— Na, na — alter Herr! —Euer Gnaden haben wohl geruht,durch eine Panegyrische Brille zuäugeln! — Blindlings zugegebendas mit dem „Scharfsichtigen,Fleißigen,Humanen" —allein dasmit dem „Tand", dem „Bauch" undden „Freuden des Bechers" . . .?Nein, nein, alter Herr! — daist der nüchterne Chronist nundoch anderen Glaubens und doch
bester beraten: „Den Hahnen insFaß!" — das war die Losungaltkölnischer Bürger und sie ist esnoch heute, denn der Sinn desVolkes steht stark auf Lust undLebensgenuß. — Kein Zweifel,Handel und Wandel bewegten diePulse der mächtigen Reichsstadt,aber dabei versäuoite man nicht,bei Zeit und Gelegenheit der Er-holung und der Lust und Launeam fröhlichen Pokulieren ihr alt-verbrieftes Recht zu belassen. Am„Holzfahrtstage", bei der großen„Gottestracht", zur „Fastelabend-zeit", zu Gürzenich und sonstwo,da hatten die Weinknechte undZapfer über und über zu tun, daschmunzelten die Taberniere unddie Kamerettenbesitzer an der Mar-porzen, da waren Possenreißer,Seiltänzer, welsche Maulstößer,Luftspringer, schweifende Sängerund Taschenspieler in Köln, dastanden „Dobbel- und Quekbrett-spiele" in üoribus, auf den Tanz-häusern schwangen sich die Herrenund Frauen der „Richerzeche" imFackelreigen — allüberall Freudeund Lustbarkeit! — Und wo esauch sein mochte: bei der „Gottcs-tracht" und am „Holzfahrtstage",bei Schmausereien und Karneval— stets stellte sich, und zwar bisin die letzten Zeiten der reichs-städtischen Verfassung, das „Gecken-bendchen" mit Pritsche und Schel-lenkappe ein, um unter Tanz undKurzweil die Funken seines ewig-jungen Humors flinkcrn und flun-kern zu lassen. — Und so einStück „Geckenbendchen" lebt nochheutzutage im Kölner und vor-nehmlich dann, wenn der Elfteim Elften gekommen, wenn die„Funken", die alten Stadtsoldaten,