Nachdem der Knabe zum Jüngling gereift und wehrfähig geworden, was schonmit dem i4. bis 1 5. Jahre der Fall war, machte er als Knappe seines Ritters einen prak-tischen Lehrkursus durch, verschaffte sich kriegerische Erfahrungen, lernte Welt undMenschen kennen, machte grosse Reisen, selbst ins heilige Land oder ins heidnischePreussenland mit oder kam mit einem Kaiserzuge ins sonnige Welschland und erhieltbei passender Gelegenheit den Ritterschlag. Im Tristan von Gottfried von Strassburgsagt der alte Ritter zu seinem Neffen: „Nun dir das Schwert gesegnet ist und nun duRitter worden bist, so erwäge den Ritterpreis zumeist und auch dich selber, wer du seist,deine Geburt und Edelkeit habe vor Augen allezeit. Sei demütig und ohne Trug, sei
Figur 38.
$rfjfoji Lanbsbfnj
bpi
wahrhaft, halte Zucht und Fug, sei immer gegen Arme gut und gegen Reiche hochgemut,ziere und wehrte deinen Leib, ehre und schirme jedes Weib, der Welt sei mild und seigetreu, deine Milde und Treue sei immer neu.“
Dass Frauendienst und Ritterlichkeit nicht immer in idealer Weise geübt wurdenund die Romantik mitunter in Narrheit ausartete, versteht sich bei der menschlichenSchwäche von selbst. Namentlich im spätem Mittelalter. erlahmte vielfach der idealeSinn und Roheit und Gewaltthätigkeit griffen um sich. Als Hauptakt und Mittelpunktder ritterlichen Festlichkeiten darf das Turnierspiel angesehen werden. Das Turnier-wesen hat sich im 12 . Jahrhundert ausgebildet und bestand bis zum I6. Jahrhundert.Die Wettkämpfe wurden sowohl zu Pferde als zu Fuss, mit Lanze, Schwert und Speerausgefochten.