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Ernst Götzinger : ein Lebensbild ; mit Porträt
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III. Lebensarbeit. 41

sich wohl hin, am ihm einig« Zeilen treuer Erinnerung zu widmen. So hatte er fürOtmar Rietmann, den Australien-Reisenden, der im August 1869 als Lehrer an derKantonsschule stai-b, das schöne Wort: „Er ist unter den jungen St. Gallern einer der ersten,der neben der Sorge um das Wohl der städtischen Anstalten auch den weitern Horizontder wissenschaftlichen Arbeit zu umfassen gelernt und, sei's in eigener persönlicher Arbeit,sei's im Verein mit gleichstrebenden Genossen, an der Urbarmachung des grossen Acker-feldes der Welt mitgearbeitet hat."

Fast liesse sich dieses Wort auch auf Grötzinger selbst anwenden. Die Verbindungenergischer wissenschaftlicher Arbeit mit freudiger Tätigkeit inmitten der Kreise, in die ersich durch seinen Beruf gestellt sah: das war sein Leben und das begründete den dauerndenWert seines Daseins. In der Geschichte der gemeinsamen st. gallischen Kantonsschule, die1856, nur wenige Jahre vor seinem Antritt gegründet worden ist, wird ihm als einemLehrer und Gelehrten von Geist und Kraft ein Ehrenplatz gesichert bleiben.

Familienleben.

im vierten Jahre nach seiner Verheiratung schrieb Götzinger einmal mit innerer Be-friedigung an seinen Schwager Hug, er habe bis dahin den Schulstaub noch nie an denMittagstisch oder sonst ins Haus gebracht. Er gedachte auch in der Folge seine Angehörigennicht unter den Verstimmungen leiden zu lassen, die im Schulleben unvermeidlich sind, undwenn es ihm auch schwerlich gelang, diesem Vorsatz fortwährend treu zu bleiben, so Avollteer doch im engern und weitern Familienkreise die ihm geschenkte Himmelsgabe, „das fröh-liche Herz" in möglichst freiem Zuge walten lassen. Das haben Frau und Kinder undVerwandte in Freud und Leid erfahren dürfen.

Mit wahrem Anteil liest man die Briefe, in denen er seinen „lieben Leuten" (Schwesterund Schwager) über Famüienereignisse Nachricht gab. Die Geburt des ersten Kindes, einerTochter verkündigte er ihnen in herzlichster Freude lateinisch mit einem „gloria in excelsis"..Den Namen", fügte er bei, „habe ich kraft väterlichen Rechtes schon lange bestimmt; siesoll Frida heissen ; das ist ein herrlicher Name, den Frieden in eigner Person im Hausezu haben!" Und wie liebevoll nahm sich dann der vielbeschäftigte Mann, der damals jedefreie Stunde für die Sabbata zu verwenden hatte, des Kindes an. Er stand wohl „nachts,in der Geisterstunde, auf, ein hageres Gespenst im langen wallenden Talar", um es nachallen mütterlichen Regeln zu besorgen. „Da lacht denn die kleine Maus über das famoseSchauspiel, legt sich wieder aufs Ohr und schnarcht." Vergnüglich berichtete er in derFolge über die einzelnen Stadien ihrer Entwicklung: wie sie äusserlich gedieh; wie sie dieersten Zähnlein bekam, „weiss wie frisch gefallener Schnee und bissig wie ein Schermesser";wie sie anfieng, im Hause herumzulaufen und „in allen Stuben und Winkeln nach bestaubtenFolianten und guten Birnen" auszuspähen; wie sie zu sprechen begann, erst einzelneDemonstrativ-Pronomina", dann Wortverbindungen und endlich ganze Sätze bildete. Alsihm nach Jahr und Tag, im Oktober 1864, ein Sohn geschenkt wurde, schrieb er die „neueMär" in Knittelversen nach Schaff hausen, „weil sie ja wohl zu aller Zeit Euch mit demfröhlichen Bruder freut". Er nahm sich vor, die beiden Kinder zu guten Menschen zu er-ziehen: Und es seien die zwei Geschwisterlein ein Beispiel, wie alle sollten sein; sollen