24 II. Studiengang.
Man hat vorher ihn wenig StundenZu Weende in der Kneip' gefunden.Und als die Herren scharf ihn plagtenUnd in die Kreuz und Quere fragten,Sah man sie bald zufrieden blicken.Zu jeder guten Antwort nicken.Zur Seit' ihm stand die holde Fee.Denn sieh: er ward egregie!"
Mit glücklichen Gefühlen über das Errungene konnte sich Götzinger wieder nach derHeimat wenden. Aber seine Freude war nicht ungemischt; denn in den letzten Wochenseines Göttinger Aufenthaltes hatte ihn die Nachricht getroffen, dass Wilhelm Roth, derfür die höchsten sittlichen und wissenschaftlichen Ideale begeisterte Freund, an dem er mitganzer Seele hieng, am 8. Februar, nur zwei Monate nach seiner Habilitation, durch einenTyphus dahingerafft worden sei. Wenige Ereignisse in seinem Leben haben ihn so tiefergriffen, wie dieser Todesfall, und er hatte Mühe, seinen Schmerz zu überwinden. „DerTag seines Lebens ist vollbracht", schrieb er an denjenigen, der der dritte im engeren Göt-tinger Bunde gewesen war; „Erinnerungen sind uns geblieben. Auf! lasst uns diese intreuem Herzen sammeln, dass er in uns bleibe und wachse und Frucht bringe. So löstsich zuletzt der Schmerz in süsse Wehmut auf. Wir haben viel verloren, aber wir habenauch solches gewonnen, das ewig bleibt und nicht verloren geht, wenn wir es nur zusammen-halten." So wählte er den Rückweg über Basel, trat an das frische Grab des aus derFülle des aufsteigenden Lebens hin weggerissenen Freundes und erfreute den alternden Vater,der selbst dem Tode nahe war,*) durch sein herzlich teilnehmendes Bezeigen. In Schaff-hausen traf er seine treue Mutter noch am Leben. Es war nach manchen sorgenvollenJahren ihre glücklichste Stunde, als sie den am Ziele seiner Lernzeit angelangten Sohnbegrüssen konnte. Nach Göttingen hatte sie ihm in ihrem letzten Briefe, um die Zeit seinerPromotion, geschrieben, sie hoffe, der Segen des Herrn möge auf ihm und seinem einstigenAmte ruhen, damit er immer mehr heranreife, um seinen Schülern durch Wort und Wandelvorzuleuchten.
In der Tat: schon war die Rede von der Übernahme eines Amtes. Der junge Gelehrterichtete seine Blicke von Schaffhausen nach St. Gallen, wo sich ihm Aussicht auf eineLebensstellung bot.
l ) Karl Ludwig Roth starb schon am 16. Juli 1860. Seine Bibliothek wurde für die Vadiana inSt. Gallen erworben.