VI. Kap. Die Mitglieder des Kapitels. §20. Niedere Stiftsgeistlichkeit. 509
von Dekan und Kapitel zu leihen. Verpflichtung zum Chordienstund drei Wochenmessen unter dem Fronamt des Chors. Ein-kommen : 30 h". Korpus von den Stiftern, 10 fl. Präsenz auf demChor vom Kapitel dazugegeben. 1 )5 d) St. Annavikarie („saeerdotale benefieiuni et viearia
perpetua sub titulo altaris sanctae Annae et Hieronymi in sinistrolatere chori"), am 15. September 1508 von Propst Albrecht II.(Thumb) mit Gütern der Propstei gestiftet, im übrigen der Stifts-kirehe einverleibt und aller Jurisdiktion wie die andern Vikariate10 unterworfen, diesen auch im Einkommen gleichgestellt. Kollator:der jeweilige Propst.')
e) Die Vohen stein'sche Pfründe, am 29. September 1511von Jörg von Vohenstain dem Altern zu Adelmannsfelden mit 800 fl.gestiftet zu Ellwangen im Stift „im neuen Münster zu der rechten15 Seiten auf unser lieben Frauen der Himmelskönigin Maria Altar,der in derselben unser lieben Frauen, St. Peter und St, Pauls derhl. Zwölfboten, St. Jörgen des hl. Ritters und St. Maria Magda-lena Ehre" geweiht ist. Einkommen der Pfründe: 40 fl. (30 fl.Korpus, 10 fl. Präsenz im Chor), dazu alle Suffragien wie die20 andern Vikare. Verpflichtung: Chordienst und vier Wochenmessenauf seinem Altar jedesmal unter dein letzten Fronamt des Stifts.Der Stifter behält sieh, seinem Sohn Georg dem Jüngern unddessen ehelichen Söhnen (jeweils dem ältesten unter ihnen) dasPräsentationsrecht vor; nach dem Tode seiner Enkel soll die Ver-25 leihung ausschliesslich dem Dekan und Kapitel zustehen. 8 )
2. Verweser. Wegen des grossen Mangels an residieren-den Priesterchorherren, für die nach den Statuten die Vikare nichtin die Lücke treten durften, wurden schon im Jahre 1466 vonPropst und Kapitel zwei neue Präbenden für „Verweser" (provi-30 sores) der Kanoniker geschaffen, denen sieh sehr bald ein Dritter,1538 ein vierter beigesellte. 1 ) Aufgabe derselben war es, den
') Abschrift des Stiftungsbriefs im Diplomatai „Tomus XVI" Pol. 147—152;vgl. Etez. II Fol. i). Hans von Schwabsberg, gesessen zu Wildenstein (OA. Crails-heim), übte mehrmals das Präsentationsrecht aus (z.B. 1541; Rez. II Fol 289);er starb als der letzte seines Geschlechts am 4. Miirz 1549 zu Crailsheim (UA-Ellwangen S. 890 und 716).
'-') Abschriften des Stiftungsbriefs in Fasz. 100 nnd im Diplomatar „To-mus XVI" Fol. 15!)—163.
") Abschrift des Stiftungsbriefs (d. Montag St. Michels des hl. ErzengelsTag 1511) im Diplomatar „Tomus \VI" Fol. 164—168.
') Vgl. S. 130.