454 Zweiter Teil. B. Die Verfassung des weltlichen Chorherrnstifts.
bezw. in der dort gelegenen Liebfrauenkapelle oder in der west-lichen Vorhalle der Stiftskirche heigesetzt wurden.
Auch die Standesprivilegien der Bischöfe, so das Rechteiner Hauskapelle im Residenzschloss, genossen die Pröpste.Durch Breve vom 14. April 1609 gewährte Papst Paul V. demFürstpropst Johann Christoph I. auf Ansuchen die Erlaubnis, 5während der Dauer der Bauarbeiten am fürstlichen Schloss biszur Wiederherstellung der alten Sehlosskapelle in einem eigens hiezuwürdig hergerichteten Räume - jedoch ohne Beeinträchtigung derRechte des Stadtpfarrers und mit Ausnahme von Ostern, Pfingstenund Weibnachten — wie bisher für sich und seinen Hof die Id. .Messe iodarbringen zu lassen; diejenigen Familiären, die für den Dienstnicht notwendig seien, sollten jedoch dadurch von der Pflicht, angebotenen Festtagen die Messe in der Pfarrkirche zu hören, nichtentbunden sein. J )
Das reine Jahreseinkommen der Propst ei, das bei der iöUmwandlung des Klosters eine nicht unbeträchtliche Schmälerungerfahren hatte, 2 ) wurde bei der Ernennung Albrecbts von Rechberg(1461) auf 1500 rheinische Goldgulden geschätzt.*) Sein Nach-
nin Dom zu Augsburg schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrh. der nördlicheFlüge] des Kreuzgangs als ständige Begräbnisstätte angewiesen war (A.Schrö-der in: Jahrbuch des histor. Vereins Dillingen XI [1898], 82 f.).
') „Tibi ut in privato oratorio arcis tuae residentiae . ., donec aliud vetusOratorium inibi constitutum restauratum fuerit, ad hoc decenter exstrneto seuexstruendo sen exornato seu exornando ab omnibus domesticis usibus et mini-steriis libero sacrosanetum missae sacrificium per quemeunque sacerdotem saecu-larem seu de superiorum lieentia regulärem, sine tarnen quorumeunque iuriumparochialium praeiudicio ac Paschatis Resurrectionis, Pentecostes ac NativitatisDomini nostri Jesu Christi festis diebus exeoptis [cf. c. 35 1). I de cons.J, intua ac familiae tuae praesentia celebrari facere, sicut in alio oratorio poteras,
libere et licite valeas, ..... indulgemus. Non ohstantihus ..... Volumus
autem, ut familiäres servitüs tuis non necessarii ibidem missae interessentes abobligatione audiendi raissam in ecclesia diebus festis de praeeepto Liberi minimecenseantur. Dat. Romae apud sanetum I'etrum sub annulo piscatoris, die XIV.Aprilis MDCIX, pontifieatus nostri anno quarto". Orig.Perg. mit Siegelrest;Fasz. J8. VgL auch § 18 (Freipräiiende).
'') Aus S. 22, 24 ff. und 28, 8 ff. darf man wohl schliessen, dass die Gültenund Zehnten, die bei der Umwandlung des Klosters von den ehemaligen Abtei-gütern dem Stiftskapitel zugewendet wurden (ihr Verzeichnis s. S. fi5, 1!) bist>7,13), jährlich etwa 400 h\ rhein. abwarfen. Kardinal Peter spricht sich selbst,über die Hohe dieser Summe nicht aus (vgl. S. 36,35. 37,22).
■"J S. 264, 13 ff. Dem entspricht es, dass Albrecht I. am 12. Februar 1461..pro totali i't integra solucione ansäte seu mediorum fruetuum primi anni pre-