V. Kap. Der Fürstpropst. § 13. Besetzung der Propstei. 447
Witteisbacher mit Erfolg zu erwehren 1 ) und die Propsteidurch fast anderthalb Jahrhunderte mit Standesgenossen aus ihrenReihen zu besetzen.
Die Bedeutung dieser Wahlen kann nicht hoch genug ange-5 schlagen werden. Die Wald von Männern e gretnio hat die Selb-ständigkeit des Stifts gegen die seinem Fortbcstand höchst gefähr-lichen Bestrebungen der benachbarten weltlichen und geistliehenGrossen, der Markgrafen von Brandenburg, 5 ) des Deutschen Ordens,der Ellwangen als dauernde „Entschädigung für das verloren ge-10 gangene Ordensland Preusscn beanspruchte," ;! ) der Bischöfe vonAugsburg,') gerettet; andererseits brauchte das Stift im zweitenund dritten Viertel des 16. Jahrhunderts Männer, die entweder wiePfalzgraf Heinrich über eine ansehnliche Hausmachl verfügten oderwie Otto Truchsess eine starke Willenskraft und grosses moralisches15 Anseilen in die Wagschale zu werfen in der Lage waren.
Seit dem Ausgang des J 7. .Jahrhunderts trug das Kapitel
kein Bedenken, Männern fürstlichen Standes, die zudem mehrere
Bistümer besassen, die Stimme zu geben. Wir sind vorerst über
die Rücksichten und Erwägungen, die in dieser letzten Periode
20 den Ausschlag gaben, nicht genauer unterrichtet; soviel aber scheint
Bewerber. Angesichts der grossen Fortschritte, welche die religiöse Neuerungauch in der nächsten Nachbarschaft des Stifts gemacht hatte, konnte das EU-wanger Kapitel damals nicht wohl umhin, einen auswärtigen, mächtigen Prälatenauf die Propstei zu berufen.
') Werbung des Herzogs Albrecht V. für seinen Sohn Ernst im .7. 1573und des Herzogs Wilhelm V. für seinen Sohn Philipp, Bischof von Kegensburg,im .1. 1548. Kin Band hierauf bezüglicher, noch ganz unbekannter Akten
befindet sich im Kgl. Bayer. Reichsarehiv zu München. __ Auch im Anfang
des IS. Jahrb. — nach der Wahl des Propsta Franz Ludwig zum Erzbischofvon Trier im .T. 171(5 — bestand der Plan, die Propstei einem bayerischenWittelflbacher (dem zum geistlichen Stande offenbar nicht berufenen früh ver-storbenen Prinzen Philipp Moriz) zuzuwenden; vgl. die unten S. 448" zitierteAbhandlung Heigol's (a. a. 0. S. 352).
'-') Im .1. 1521 waren zwei Brandenburger, die Markgrafen JohannAlbrecht und (Jumprecht, Bewerber um die Propstei; wahrscheinlich muss manschon 1502 bei der Bemerkung, dass „viele Fürstensöhne Tag und Nacht ruhe-los auf die Erledigung der Propstei harren" (S. 169,3 und 446 1 ), vornehmlich«n die fränkischen Ifohenzollern denken.
'■') Giefel in WV.jh. 1880 S. 20; beabsichtigt war wohl eine Vereinigungdes Stifts Ellwangen mit der Kommende Kapfenburg.
') Aus der Doppelstellung des Kardinals Otto Truchsess konnte sichleicht eine dauernde Personalunion der Propstei mit dem llochstift Augsburgergeben.