446 Zweiter Teil. B. Die Verfassung des weltlichen Chorherrnstifts.
Standesgenossen zur Propstei zuzulassen; 1 ) sein hartnäckigerWiderstand gegen den von der Kurie ernannten PfalzgrafenHeinrich erklärt sich in erster Linie aus dem gerade damals auf'säusserste gespannten Verhältnis von Fürsten und Reichsritterschaft. 2 )Trotzdem sali sich das Kapitel durch die Zeitlage genötigt, die 5Propstei hei der nächsten Vakatur (1552) einem dem höherenAdel entstammten auswärtigen Kirchenfürsten, dem Bischof vonAugsburg und Kardinal Otto Truchsess von Waldburg, zu über-tragen.^) Dafür gelang es ihm, sich in der zweiten Hälfte des16. Jahrhunderts der mehrmaligen Werbungen der bayerischen 10
') In der „Informatio ad enriam Bomanam ratione coadiutorie Albcrti deBechherg prepositi" vom J. 1502 (WVjh. 1908 S. 197 ff.; vgl. oben S. 109)führte das Kapitel gegen die sehr bestimmt behauptete Bewerbung vielerFürstensöhne um die Propstei ins Feld, dass das schwer verschuldete Stift einengeborenen Fürsten, der seinem Stande gemäss leben wolle, nicht unterhaltenkönne: ein solcher würde weder die Schulden des Stifts abtragen noch die zer-fallenen Gebäulichkeiten wiederherstellen noch Verpfändetes einlösen, da, ja dieEinkünfte der Propstei kaum für seinen standesgemässen Unterhalt ausreichten;Schliesslich käme es so weit, dass die Propstei dauernd und erblich in denKünden der Fürsten verbliebe (futurum demuin foret, quod prepositura [psa demanibus prineipmn uunquam eriperetur, verum apud ipsos prineipes et eorundcinfilios sueeessione quadam, que tarnen in spiritualibus prorsus interdieta est, per-petno remaneret, eciain contra voluntatera deeani et capituli predictorum, indicte ecelesie et illius statutorum ac prineipatus destruetionem); auch entstündeschwerer Streit und Kriey zwischen dem Schwäbischen Bund, der dem Stifts-kapitel Hilfe schuldet, und dem, der gegen den Willen des Dekansund Kapitelsdie Propstei erlangen oder behaupten wollte.
'-') Vgl. das von Obs er in WVjh. 1904 S. 305-318 veröffentlichteSpruchgedicht des „Pfeiferhänsle von Jagstzell" (wahrscheinlich vom J. 1522),dessen Verfasser sicherlich in den Reiben der Stiftsherren zu suchen ist,V. 232—239:
..Zum gmainen adel schry ich och,
ain hertzlich layd du da empfach,
dan ye der stifft ain spita] dein
o b a c h t hundert j a r i s t g s ein,
dar au I f nie geb orn fürst ain p r o p s t,
fürwar du dich yetz selbs beropfst (beraubst)
lass dir die hofsup so lieh sein,
achte ring sos litt, gat an das dein.''3 ) Pfalzgraf Heinrich hatte sieh über die Köpfe der Stiftsherren hinwegin Unterhandlungen zuerst mit seinem Vetter Graf Jobann von Sponheim(oben S. 220j, hernach mit dem Deutschmeister Wolfgang Schutzhar eingelassen;ausser letzterem und Kardinal Otto war auch noch der Kardinal ChristophMadruzzo, Bischof von Trient und Brixon (über ihn vgl. KHL. II, 763f.),