Druckschrift 
Die Umwandlung des Benediktinerklosters Ellwangen in ein weltliches Chorherrenstift (1460) und die kirchliche Verfassung des Stifts : Texte und Darstellung
Entstehung
Seite
411
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

III. Kap. Der Konvent. § 9. Stand. Zahl. Weihegrad. Studium. 411

Konvents hervorgingen.') Auch ist an sieh mit der Möglichkeitzu rechnen, dass an den Abt hinsichtlich des Geburtsstandeshöhere Anforderungen gestellt wurden als an die gewöhnlichenKonventualen. B ) Dafür haben wir einige andere Anhaltspunkte,5 welche die Annahme nahelegen, dass in der ersten Hälftedes Mittelalters auch Ellwangen zu denfreiherrlichenKlöstern" zählte.

a. Der Stifter Hariolf und seine ersten Genossen(Griniold, Simuliere) waren edlen Geschlechts/ 1 )

10 b. Ellwangen unterhielt seit der ersten Hälfte des 9. Jahr-

hunderts e n g e B e z i e h u n g e n zu den angesehenstenfrei-licrrlichen" Reichsabteien wie Fulda, 1 ) Reichen au undSt. Gallen.")

c. Ermenrich, der Verfasser der Vita Hariolfi und spätere

15 Bischof von Passau, empfing seine Bildung in den drei genanntenAbteien und war der Reihe nach Mönch in Fulda und Ellwangen;an seiner vornehmen Abkunft ist nicht zu zweifeln. 0 )

Die angeführten Tatsachen dürften genügen, um wenigstenseinen W ah r seh ei nl ich keits beweis für die obige These zu

20 erbringen. Den hauptsächlichsten Grund für die Vorherrschaft, jaAusschliesslichkeit des (freiherrlichen) Adels dürfen wir wohl auchim vorliegenden Fall in der Gründung und Ausstattung des Klostersdurch den hohen Adel und in seiner Privilegierung seitens der

') So die Mainzer Erzbischöfe Liutbert und Hatte, Bischof Hartbert vonChur, der Weltgeistliche Grimold, höchst wahrscheinlich auch die aus Fulda,berufenen Äbte Otbert und Richard T. sowie Adalbert I. von Ronsberg, der inOttobeuren Profess gemacht hatte. Ob die Äbte Gebhard und Reginger (undAdalbcroV) Ellwangcr Konventualen waren, wissen wir nicht.

'-') A. Schulte in: Westdeutsche Zeitschrift XXV (1906), 183.

8 ) Hariolf war nach Ermenrich (Kap. 1) Verwandter des Bischofs Gozbaldvon Würzburg (84255); über diesen vgl. Simon, Bischöfe der MainzerKirchenprovinz S. 5(5. Über Hariolfs Familie wusste man begreiflicherweisein Ellwangen am Ausgang des Mittelalters nicht mehr Bescheid; doch wurdeergemeinlicli geschätzt", dass er Freiherr oder Graf gewesen sei(WVjh. 1908 S. 200).

1 ) Konfrateruitiit mit Fulda 1193 (WOB. II, 297), erneuert 1500; vgl.Ermenrich (s. zweitnächste Anm.) und die Äbte Otbert und Richard 1.

ß ) OAKUwangen S. 438. Erneuerung der Konfraternität mit St. Emme-rain in Regensburg im J. 1286 (WUB. IX, 100) und wiederum 1360 (OAEU-wangen a. a. (>.).

") Vgl. auch OAEUwangen S. 492' über den Ellwanger Mönch Altgernid seinen Verkehr mit Walafried Strabo in Reichenau.