408 Zweiter Teil. A. Die Verfassung des Benediktinerklosters.
Schon früh wurde dort eine ellwangische Propst ei einge-richtet, die im 12. Jahrhundert ihren Sitz noch in Schriesheim, 1 )bald hernach aber in Wiesenbach hatte. 2 ) Die kaiserlichenPrivüegienbriefe des 14. und 15. Jahrhunderts bestätigen das alteAsylrecht u. a. auch für das „Kloster der Propstei ze 5Wiesenbach und den Hof dabei des Schultheisscn Hof genannt,"sowie; für „den Hof ze Sclirizhein" (Schriesheim). 3 )
Über Zweck und Bedeutung der Propsteien Schries-heim-Wiesenbach und Hohenberg können wir nur Ver-mutungen aufstellen, die sich auf die Analogie anderer Abteien, 10namentlich Fuldas, stützen. 4 ) Der Vergleich mit den dortigenbesser bekannten Propsteien sowie die Analogie der ellwangischenPropstei Zell 5 ) macht es höchst wahrscheinlich, dass auch
') WUB. VI, 485 (12. Jahrh.): „Prepositua de Sriezesheim."
'-) WUB. III, 200 (1229); vgl. OAEllwangen S. 488'; oben 8. 312-'. Ichhalte die Verlegung der Propstei von Schriesheim nach Wiesenbach für wahr-scheinlicher als die gleichzeitige Existenz zweier Propsteien am unteren Neckar;vgl. auch die nächste Aura.
°) OAEllwangen S. 442. Dieser mit Asylrecht begabte Hof zu Schries-heim ist wohl ein Überrest der um 1200 eingegangenen ehemaligen Propsteidaselbst.
4 ) Das Hauptkloster des hl. Bonifatius zu Fulda umgaben vier auf nahenBergen gelegene Propsteien („conventus montium") als Filialen: Petersberg,Johannesberg, Prauenberg (diese drei schon am Anfang des 9. Jahrb. bezeugt)und das um 1020 gestiftete Kloster auf dein St. Andreas- oder Neuenberg.Diese vier Konvente blieben allezeit dem Hauptkloster unterstellt; ein Kapitulardes letzteren leitete als Propst einen derselben. Vgl. KL. IV, 2013; Gr. Richter,Die Anfänge der Propstei Neuenberg, in: Fuldaer Geschichtsblätter VII (1908),112—121. 138—144. — Die abhängigen Tochterklöster der Hirsauer Vereinigunghiessen gewöhnlich Priorate; Rot (Mönchsrot bayer. BA. DinkelsbiihI,etwa 4 Stunden von Ellwangen entfernt) hiess jedoch Propstei (über dieselbevgl. Steichele, Bistum Augsburg III, 476 — 485).
'■) In St. Blasien lebten im 11. Jahrhundert Benediktinerinnen nahebeim Mannskloster, aber strenge von demselben getrennt. Im ersten Viertel des12. Jahrh. versetzte der Abt die Klosterfrauen in das 2 Stunden entfernteBerau (bad. BA. Bonndorf) und gab ihnen einen Propst als Verwalter. Bereits1130 wurde nach dem Muster von Berau das Frauenkloster Fahr an derLimmatunweit Zürichs von Einsiedeln ausgegründet; im Namen des Stifts Einsiedelnwurde es „als dessen Eigentum durch einen Propst verwaltet, der immer einKonventual von Einsiedeln und von dem Einsiedler-Abt mit der Verwaltungbetraut war. Die Besorgung des Gottesdienstes lag hauptsächlich in den Händeneines Kaplans"; Ringholz, Stift Einsiedeln I, 72—76. — Dafür, dass auchEllwangen früher ein Doppolkloster gewesen und die Schwestern von Abt Adal-bert I. nach Jagstzell versetzt worden wären, fehlt jeder Anhaltspunkt.