Druckschrift 
Die Umwandlung des Benediktinerklosters Ellwangen in ein weltliches Chorherrenstift (1460) und die kirchliche Verfassung des Stifts : Texte und Darstellung
Entstehung
Seite
368
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

368 Erster Teil. VI. Kap. Würdigung der Umwandlung.

kirchlichen »Schriftstellers über die Säkularisation der Abtei undihre Ursachen; es möge liier gleichfalls eine Stelle finden:nichtder Beruf, sondern die Gehurt entschied schon längst über dieZulassung. Solche Männer waren freilich der schweren Aufgabenicht gewachsen. Ohne Begeisterung für ihren Beruf, des geniein- 5schaftlichen Lebens überdrüssig, standen sie, die nur dem Namennach Mönche waren, vor den Ruinen des Klosters-, es fehlte ihnendie Begeisterung, also auch die Tatkraft; die Phantasie, umnebeltvon irregeführten Wünschen, vergrösserte die allerdings grossenSchwierigkeiten zu Unmöglichkeiten - - kurz, sie entschlossen sich, 10das Kloster nicht mehr aufzubauen; also mussten sie auch dasgemeinschaftliche Leben, das Leben ohne persönlichen Besitz, desklösterlichen Gehorsams, aufgeben, mit einem Worte, von ihrenGelübden zurücktreten. Doch, zu ihrer Ehre sei es gesagl, siewurden keine Apostaten: sie erwirkten die Gelübdedispensation 16und die Verwandlung der Abteikirche in eine Collegiatkirche durchden hl. Stuhl..... Das Urthcil, welches Tritheini über dieApo-staten" fällt, ist daher hart genug, trifft aber mehr die Urheber desfür ein Kloster unseligen Geburtsprivilcgiuins, als diejenigen, welchedie letzten Folgen desselben zu tragen hatten." ') 20

Gerade der zuletzt erwähnte Gesichtspunkt muss noch mehrbetont werden. Die Verhältnisse hatten sich in Ellwangen in jahr-hundertelanger Entwicklung so gestaltet, dass die Umwandlung desKlosters in ein weltliches Stift nur die rechtliche Anerkennung undBestätigung des seit langem tatsächlich bestehenden Zustandes bedeutete 25und angesichts des die geschichtlich gewordene Verfassung nichtberücksichtigenden Drängens auf Reform geradezu als ein Gebot derNotwendigkeit erseheinen mochte. Die günstige Entwicklung, diedas Stift in den folgernden Jahrhunderten bis zu seinem Untergangin einer Säkularisation anderer Art ebensowohl im (leistlichen 30als im Zeitliehen nahm,") bestätigt diese Auffassung. Eine andere

') Prälat, Dr. Franz Joseph Schwarz (gest. als Stadtpfarrer in Ell-wangen .'im 1. Juli 1885), Die ehemalige Benediktinerabteikirche zum heiligenVitus in Ellwangen S. 44.

") Der Satz der Oberamtsbeschreibung:Gebessert haben sich übrigensdie ökonomischen Verhältnisse des Stifts seit dieser Zeit, sicherlich, mögen auchverschiedene sonstige Verhältnisse mitgewirkt haben" (S. 454), gilt in gleicherWeise auch für die innere Entwicklung des Stifts. Vgl. die Äusserungen desMarkgrafen Albrecht und des Kardinals Peter vom J. 1467, oben S. 285 u. 287. Hältman dem unverkennbaren Aufschwung des Stifts Ellwangen seit 1460 denansäglich traurigen Zustand anderer Klöster von gleicher politischer Stellung,