364 Erster Teil. VI. Kap. Würdigung der Umwandlung.
Simonie hat er sich jedoch sicher nicht schuldig gemacht, vielmehr,wie die noch erhaltenen Stücke der in jener Angelegenheit zwischenDillingen und Ellwangen gepflogenen Korrespondenz, unwiderleglichdartun, die ihm vom Papst aufs Gewissen gelegte Umwandlungdes Klosters sehr ernst und schwer genommen. Der ellwangische 5Abgesandte schreibt seinen Auftraggebern aus Dillingen, der Kardi-nal habe „fast und viel betrachtet, wie gross und hoch zu achtensei solche Verkehrung und Änderung des würdigen Gotteshauses,womit Seine Heiligkeit desselben Gewissen hoch beladen hat," under sei fest entschlossen, in diesen Dingen nicht anders zu handeln, 10„denn als er es gegen Gott und die Welt verantworten möge." ')Aufs bestimmteste erklärt der Kardinal den Abgesandten, dass es„redlich zugehen" müsse; 2 ) zweifellos hat er auch selbst darnachgehandelt. Von ellwangischer Seite wird bestätigt, dass es Peter „nitvast unbillich" vorhabe. Die Abgesandten müssen die von ihnen 15zur Begründung der Säkularisation gemachten Angaben im einzel-
ei vitio darf potest, quod natura potius quam voluntate aliquantulum plus iustopusülanimis erat et timidus in resistendo hin, qui aut moribuB eranl reprobi mitius ecclesiastioae libertatis temere violabant" (Annal. Ilirsaug. II, 499). Dochlägst Peters Einschreiten gegen den adeligen Abt von Anhausen (oben S. 817) anStrenge nichts zu wünschen übrig. Aber in Ellwangen lagen eben die Verhält-nisse ganz anders. — Nach einer alten Dillinger Sage, die M. Königin der Literarischen Beilage zur Augsburger Postzeitung 1895 Nr. 8 S. 57 [nacliWilh. Weiss, Chronik von Dillingen, 1801; Mitt, von II. Prof. Dr. A. Schröderdaselbst,] wiedergibt, hatte : der Kardinal einen griechischen Arzt, Kartha-philos mit Namen, in seinen Diensten, der in einem Turmgemach im bischöf-lichen Schloss daselbst für seinen Herrn Gold gemacht haben soll; eines Tageshabe man das Gemach voll Qualm und Dunst, den Arzt selbst mit zerschmetter-tem Gehirn und umgedrehtem Hals in einer Ecke gekauert liegend gefundenOb diese Sage einen historischen Kern hat, wie König annimmt, muss dahin-gestellt bleiben. — Vielleicht ist es nicht blosser Zufall, wenn Trithemius aneiner Stelle seiner llirsauer Annalen (II, 566 s.), wo er die Bischöfe der Kirchen-provinz Mainz anklagt, unter denen soviele Klöster vom Orden abfielen, denFall des Klosters Ellwangen und den Namen des Kardinals Peter mit Still-schweigen übergeht, während die andern (9) Klöster und die beteiligten Bischöfenamentlich aufgeführt werden. — Es mag hier auch noch auf das schon sehrfrüh in den reformfreundlichen Kreisen des Benediktinerordens verbreitete, abergänzlich unverbürgte Gerücht von der Bestechung der Kurie durch dieEllwanger Mönche (vgl. das Schreiben des Mariazeller I'rofcssen vom .1. 1469,oben S. 290, 5—9) hingewiesen werden; .'ins dein interessanten Dokument, daskeinen Anstand nimmt, diesem schweren Vorwurf Ausdruck zu verleihen, sprichtschon ganz die Denkweise des Johannes Trithemius.
') Nr. 1 der Korrespondenz, S. 26.
2 ) Nr. 2, S. 29.