356 Erster Teil. V.Kap. Anfechtung der Umwandlung seitens des Ordens.
Michelsberg, Eberhard von Venlo, der im Spätsommer 14(54eine (zweite) Romreise angetreten hatte,') dürfte die Bitte desOrdens an die Kurie überbracht und daselbst vertreten halten. Umsicherer ans Ziel zu kommen, scheint der Benediktinerorden seineBemühungen geheim gehalten zu haben; wenigstens ist nichts 5davon bekannt, dass Propst und Kapitel zu Ellwangen und diebeteiligten Fürsten an der Kurie der Agitation des Ordens ent-gegengearbeitet hätten. 2 ) Der neue Papst willfahrte dem an ihngebrachten Antrag. Durch die Bulle Quam vis Koma n umPontificein vom 18. Juni 1465 :) ) machte er die schon vor 10mehr als fünf Jahren erfolgte Säkularisation rückgängig und befahlden ehemaligen Regularen, innerhalb eines Monats nach Insinuation derBulle das Klosterleben nach der strengen Observanz sei es in Ellwangen,sei es in einem beliebigen anderen Kloster ihres oder eines anderenOrdens wiederaufzunehmen, während die dem weltgeistlichen Stande 15angehörenden Mitglieder des Stifts ihre Pfründen ohne alle Rechts-ansprüche und Entschädigung aufgeben sollten. Die Bischöfe vonAugsburg, Lavant und Speyer wurden vom Papst beauftragt, aufVerlangen der deutsehen Generalkapitel die Pulle feierlieh zupublizieren, ihre Ausführung zu überwachen und sicherzustellen. 20
Der Orden beeilte sieh nicht, den gewonnenen Vorteil auszu-nützen; in Voraussicht der grossen Aufregung, welche die Veröffent-lichung der päpstlichen Bulle hervorrufen würde, verschob er die Publi-kation auf einen günstigeren Zeitpunkt. Ein solcher schien endlichzu Anfang 1467 gekommen zu sein. Das Stift Ellwangen hatte 25jedoch von dem Vorhaben Kenntnis erlangt und sich rechtzeitignach mächtigen Beschützern und Fürspreehern umgesehen. Kardi-nal Peter von Schaumberg Hess das von ihm selbst errichteteund organisierte Stift nicht im Stiche, ebensowenig MarkgrafAlbrecht Achilles von Brandenburg, der gleichfalls eine .-(0hervorragende Rolle bei der Umwandlung des Klosters gespielt hatte.Als im April des genannten Jahres das Generalkapitel der ProvinzMainz-Bamberg im Kloster zu St. Michael in Bamberg zusammen-trat, schrieben beide Fürsten dem dortigen Bischof Georg von
') Linneborn in StudMlttBeuCist. XXVI, 67 f. 248. Eberhard dürftewährend Heines Aufenthalts an der Kurie auch die Wiederherstellung desKlosters St. Burchard iu Würzburg betrieben haben (s. die vorletzte Anmerkung).
2 ) Vgl. oben S. 283, 30.
») Oben S. 71-76.