Papst Paul II. widerruft die Säkularisation. 355
Um so nachdrücklicher wurden sie unter seinem strengerenGrundsätzen huldigenden Nachfolger Paul IL (1464—1471)')wiederaufgenommen. Gleich im ersten Jahre seiner Regierungerfolgte die formelle Anfechtung der Umwandlung des Klosters5 Ellwangen von Seiten der Provinzialkapitel des Benediktinerordensin Deutschland, denen der von Trithemius als „amator cleri, mona-chorum omnium ohservantialium promotor" gerühmte KurfürstFriedrich I. der Siegreiche von der Pfalz seine einfluss-reiche Unterstützung hatte angedeihen lassen.') Der Abt von
') Über Pauls IE. reformatorische Tätigkeit vgl. Pastor, Päpste II, 878 ff.
Sie wird noch mehr ins Licht genickt durch sein Verhalten gegenüber den unterseinem Vorgänger säkularisierten Klöstern Ellwangen und St. Burkard inWürz bürg. Die auf Empfehlung des Würzhurger Bischofs Johann III. vonGrumbach von Pins Tl. durch Bulle vom, 4. Februar 1464 gestattete und alsbaldins Werk gesetzte Umwandlung des Klostors St. Burkard wurde von den Präsi-denten «los Generalkapitels bei Paul II. angefochten. Derselbe wiederrief, trotz-dem Bischof Johann III. das neue Stift kräftig schützte, die von seinem Vor-gänger erteilte Erlaubnis (leider wird das Datum seiner Bulle nicht angegeben)und befahl den ehemaligen Mönchen bei Strafe der Exkommunikation, binneneines Monats nach geschehener Insinuation die Kutte wieder anzulegen. Nachdem Tod des Papstes brachte es jedoch Bischof Rudolf von Scherenberg beiPapst Sixtus IV. dahin, dass die Bulle Pins' II. in Kraft blieb. Vgl. Wieland,Historische Darstellung des Stiftes St. Burkard zu W. im Archiv des bistor.Vereins für I'nterfranken XV, 2. und 3. Heft (1861), S. 4 ff.
a) Die deutschen Benediktinerklöster bildeten vier Provinzen mit 8jährigemGeneralkapitel: Mainz-Bamberg, Köln-Trier, Bremen-Magdeburg und Salzburg(Heimbucher, Orden und Kongregationen I, 284). Zur Betreibung wichtiger, diegemeinsamen Interessen berührender Angelegenheiten schlössen sich, wie manaus der Bulle Pauls IL für Ellwangen ersieht, die Provinzen zusammen. DieStellung des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz zur Klosterreform wurdebereits oben S. 341 1 kurz dargelegt; vgl. Lossen, Staat und Kirche in der PfalzS. 11—17 und 170. Friedrichs Eifer erlahmte da, wo er auf seinen Adel Rück-sicht nehmen rausste; sonst —namentlich ausserhalb seines Landes, wojene Rücksicht wegfiel -- ging er kräftig gegen die Laxheit vor; vgl. seineMitwirkung bei der Reformierung des Franziskaner- und des Blarissenklostersin Heilbronn (Bossen a. a. 0. S. 164 2 ; Auftrag Pauls II. an die Visitatoren, aufBitten des Kurfürsten und des Rats der Reichsstadt ergangen, d. Koni 1465Okt. 5: WGQu. V, 449—451; ebd. S. 465 h) und i) zwei Sehreihen Friedrichsan den Papst worin er um Aufrechterhaltung der Reformation in den beidenKlöstern bittet) und sein Schreiben an das Domkapitel in Bamberg vom 22. Mai 1464(Aufforderung die Reformation im Kloster Michelsberg zu fördern und die ent-sprungenen adeligen Mönche nicht zu unterstützen, auf Bitten des eigens zu diesemZweck nach Eeidelberg gereisten Abts Eberhard erlassen; StudMittBenCist. XXVI,66) Die engen Beziehungen zwischen dem Kurfürston und der BursfelderKongregation lassen sich seit 1459 nachweisen.