Säkularisation von 10 Klöstern in der Provinz Mainz. 335
werden. Im Jahre 1456 nahm das Provinzialkapitel zu Erfurtdagegen Stellung: „Item fuit cautela, ne decetero monasteria abonline segregentur et ad secularem statum sive canonicum secu-larem statum admittantur, sicut nonnulli attemptarc ineeperunt,
5 utpote S. Albani prope Mogunciam." ') Wir wissen vorerst nicht,welche Vorkehrungen das Kapitel in dieser Beziehung getroffen hat,wohl aber, dass diese weiteren Abfall nicht hindern konnten.Während nämlich allenthalben die Reformbewegung erstarkt war,gab vier Jahre später das Kloster Ell wangen wiederum das ver-
lo hängnisvollc Beispiel, dem bis zum Ende des 15. Jahrhundertszahlreiche, hochangcselicne Bencdiktinerklöstcr nachfolgten, darunterzwei Klöster der benachbarten Diözese Würzburg, auf die wohl das Bei-spiel Ellwangcns unmittelbar gewirkt hat, St. Burchard in Würz-burg (14G4 Mai 15) und das nahe Comburg (1488/89). 2 ) Dass
15 es lauter vorwiegend oder ausschliesslich adelige Klöster waren,die diesen Schritt taten, soll eigens hervorgehoben werden. Umzu einer gerechten Würdigung des rcforinfeindliclien Verhaltens deradeligen Mönche, speziell der von Ellwangen, zu gelangen, mussfreilich berücksichtigt werden, was die der Reformpartei ange-
20 hörenden Ordensschriftsteller ganz verkannt haben, dass erstere
') Nikolaus von Siegen, Chron. eccles. p. 446.
a ) Aus der Provinz Mainz-Bamberg seien nach Trithemius, Annal.Hirsaug. folgende in diesem Zeitraum säkularisierte Klöster genannt:St.Burch.ard in Würz bürg (1404: 1. c. II, 458); Selz, Diöz. Strassburg(1485: II 522); Comburg (1488/89: II, 533 s.; vgl. Müller in Württ. Jahrb.1901 S. 20 f.); Klingenmünster, Diöz. Speyer (1491: 11,537); Odcnheim,Diöz. Speyer (1494/95: II, 559; vgl. Anton Wetterer, Die Verlegung des Kollc-giatritterstiftes Odenbeira nacb Bruchsal im J. 1507, Bruchsal 1907 S. 15—22);Neu weil er Diöz. Strassburg (1495: II, 559 s.); Sinsheim im Kraicbgau,Diöz. Speyer (1497: 11,564); Bleidenstadt, Diöz. Mainz (1498: II, 570). Diebereits 1491 genehmigte Umwandlung der Abtei Weissenburg (Diöz. Speyer)kam erst 1524 zur Ausführung; Annal. Hirsaug. II, 541 ss.; E. Krause, DerWeissenburger Handel (1480-1505), Greifswalder Dissertation 1889. Im ganzenverlor der Orden durch die Abfallsbewegung in der Provinz Mainz-Bambergseit der Zeit des Konzils von Konstanz bis zum Ende des 15. Jahrb. zehnKlöster (Ann. Hirs. II, 400), also die oben genannten mit St. Alban und Ell-wangen. Über gleiche Bestrebungen westfälischer Klöster vgl. LinnebornS. 14 — Ob die Abfallsbewegung auch in andern Orden in ähnlicher Weise umsieb griff entziebt sich meiner Kenntnis. Im J. 1477 wurde das regulierteChorherrnstift S. Paneratii in Backnang auf die Bitte des Propstsund des Grafen Ulrich von Württemberg von Papst Sixtus IV. in ein welt-liches Kollegiatstift umgewandelt; vgl. K. Kotbenhäusler, Abteien und StifteS. 203.