Kardinal Peter und das Kloster Ellwangen 1450 ff. 319
des Kardinals auch nicht in Erfüllung, so waren doch seinen viel-fachen Bemühungen um die Hebung der klösterlichen Zuchtmancherorts schöne Erfolge beschieden, sodass der dem Kirchen-fürsten nahestehende Pfarrer von Dillingen, Heinrich Eur, das Loh
5 der reformierten Benediktinerklöster seiner Zeit mit vollen Tönensingen konnte. Man braucht die rhetorischen Worte des huma-nistisch gebildeten Mannes nicht als bare Münze zu nehmen; auchnach Abzug jener offensichtlichen Übertreibung bleibt noch einschönes, glaubwürdiges Zeugnis für die reformierten Mönche übrig.
10 Seine Äusserung lautet: „Video in claustris refonnatis Celesteshoniines aut pocius angelos terrestres, quorum conversacio est incoelis, qui quadam nobili superbia despiciunt honores et diviciasImius mundi." ')
Betrachten wir nunmehr das Verhalten Peter von
15 Schaumbergs gegenüber dein Kloster Ellwangen! Wardie Abtei auch an sich infolge ihres alten ExemtionsprivilegS derAufsicht und Gerichtsbarkeit des Bischofs entzogen und unmittelbardein apostolischen Stuhl unterstellt, so gaben ihm doch mehrfacheRechtstitcl Anlass und Gelegenheit, sich um die inneren Verhältnisse
20 derselben zu bekümmern, vor allem die ihm von den TapstenNikolaus V. und Kalixt II. erteilte generelle Vollmacht zur Visitationaller Klöster seines Bistums, auch der exemten, 2 ) sowie die Bittedes SchirmvogtS, die Regelung des klösterlichen Lehens in dieHand zu nehmen. Dazu kamen noch Beziehungen ganz persönlicher
Melanies 1 54 ss. Bereits im Frühjahr 1467 wollte der Kardinal von Augsburgdie Verhandlungen über den Anschluss seiner Klöster an die Bursfelder Kongre-gation suspendiert wissen; vgl. sein Schreiben an Bischof Georg von Bamberg
oben S. 76 f.
'i Brief Lurs an den Augsburger Domdekan Leonhard Gessel, d. Dillingen1465 Februar 1 (veröffentlicht von P. Joachimsohn in Bibliothek des Literar.Vereins in Stuttgart Bd. 196 S. 120); in demselben werden des weiteren gerühmtviffor ordinis lex obediencle, solitudinis terror, austeritas disciplinae." Bei denengen Beziehungen Lurs zu St. Dlrich in Augsburg, Wiblingen und anderenBenediktinerklöstern (vgl. Braun, Not, hist.-lit. V, KiOss.j wird sein. Lob vorallem den Benediktinern gelten sollen. Jedoch mir denen der reformiertenKlöster- denn es gab im Bistum Augsburg damals auch noch im reformierte, z. B. dasunter öttingischer Schirmvogtei stehende Kl oster Deggingen, von Witwer Catal.p. 241 ausdrücklich als „irreformatum" bezeichnet; vgl. Steichele 111, 640. Undanderwärts war die Reform wohl eingeführt worden, aber auch bald wieder inVergessenheit geraten; vgl. das in der letzten Anmerkung im Auszug- wieder-gegebene Schreiben der Äbte von St. Ulrich, Wiblingen u. a. vom .1. 1470.') Oben S. 316.