Bcformvcrsuche 1434. 1435 und 1445. 311
Klöstern zu berufen. Tief eingreifend und wichtig ist der weitergemachte Vorschlag, dass man „fürbass Edle und Unedle" alsMönche aufnehme. Der Schirmvogt und seine Räte sollen für dieSicherheit der Visitatoren auf der Hin- und Herreise Sorge tragen
5 und die Durchführung der Reform überwachen. Ob das Konzil vonBasel sich wirklich mit der Angelegenheit des Klosters Ellwangenbeschäftigte, ob die Visitation vorgenommen und welche Anord-nungen bei diesem Anlass getroffen wurden, ist gänzlich unbekannt. 1 )Das Konzil schickte im Sommer 1434 in der Tat den Abt von
10 Obernburg in Steiermark, den Melker Professen Johann von Speyer,den Prior von St. Benignus in Dijon und den Kartäuserprior vonGhristgarten bei Nördlingen als Visitatoren für einige Benediktiner-klöster im Bistum Konstanz und Augsburg aus. 2 ) Der Konzils-notar Martin von Senging, Prior von Melk, erzählt in einer Rede
15 (oder Schrift) vom Jahre 1436 '") einige sehr interessante Einzelheitenüber den Erfolg der Klostcrvisitation in den genannten Diözesen,die auf kein Kloster besser passen würden als auf Ellwangen. ')In zwei Klöstern (leider wird der Name nicht genannt) wiesen dieÄbte die Visitatoren von vornherein zurück, „bene armati iuristis
20 et suum inde eniolumentum capientibus," verschlossen die Toreund trotzten Bann und Interdikt. Andere erwirkten sich vomPräsidenten des Konzils spezielle Visitatoren, nämlich solche, vondenen sie nichts zu fürchten hatten („visitatores utique in vita visi-tandis per omnia similes"), oder wussten sich durch allerlei Aus-
25 flüchte und dilatorische Behandlung der Visitation zu entziehen.[nfolg6 des Fehlens direkter Zeugnisse lässt es sich nicht aus-machen ob nicht gerade Ellwangen das eine der beiden Klöster
') In den Registern zu den bis jetzt erschienenen 5 Bänden des „Con-ciliuui BasUiense. Studien und Quellen zur Geschichte des Concils von Baselhsjr. mit Unterstützung der historischen und antiquarischen Gesellschaft zu Basel"(Basel 1896 — 1904, Bd. I/IV von Job. Haller) war nichts darüber zu finden.
2 ) Bericht des Tegernseeer Benediktiners Ulrich Stöekel vom 23. Juni1434 in: Concilium Basiliense I, 84. Über die Tätigkeit des Konzils in Sachender Ordens reform vgl. Berliere, Melanges [,86 SB.; über die Visitation in Donau-wört ebd. p. 41 und Stcichele III, 856.
*) Tuitiones ohservantiae regulae s. Benedict! patribus generalis conciliiBasiliensis oblatac bei Bernh. Pez, Biblioth. ascet. VIII, 503-550; über denVerfasser den /weck und die Zeit der Rede oder Schutzschrift vgl. Kropf,Biblioth. Mellic. p. 449-467; Keiblinger S. 539 f.
*) L c p. 512 bs. Auch p. 515—518 bezieht sich auf ein schwäbischesKloster (Diözese Konstanz). Vgl. auch „Schwäbisches Archiv" 1909 S. 188 f.