310 Erster Teil. II. Kap. Reformbewegung im 15. Jahrhundert.
bedeutsamen Kapitel in St. Stephan zu Wuraburg am 23. und24. Mai 1451 ohne Vertretung Hess.')
Immerhin wurde unter seiner Regierung, wahrscheinlich im Jahre1434, einVersuch zurVerbesserung der klösterlichen Zucht unternommenund die Hilfe des Konzils von Basel hiefür nachgesucht. 2 ) Der 5Anstoss dazu ging jedoch nicht vom Abt oder Konvent aus, sondern vonseiten der Schirmherren, der Graten Ludwig und Ulrich V., undeines ungenannten Prälaten, in dem wir mit einiger Wahrschein-lichkeit den Bischof von Augsburg, Peter von Schaumberg, ver-muten dürfen. Die gräflichen Brüder, die von 1433—1442 gemein- ioschaftliche Regierung führten, ersuchten das heilige Konzilium, die„geistlichen Sachen" des Klosters, das „notdürftig" sei, nachGnaden zu ordnen, und versprachen, nach ihrem Vermögen dazubehilflich sein zu wollen. Sie Hessen jedoch klug die Bitte ein-fließen, die Kirchenversammlung möge in Ellwangen sachte und ir>mild vorgehen und nicht sofort kirchliche Strafen verhängen, wenndie Reform nicht nach Wunsch von statten gehen sollte; denn,so wird treffend bemerkt, „eine solche Änderung so schnell zu tun,wird schwer der Mönche halb und ihrer Freund" (wegen des sicherzu befürchtenden Widerstands ihrer adeligen Sippen). Aus der- 20selben Zeit stammen Vorschläge für eine Visitation und Reformationdes Klosters Ellwangen, die von dritter Seite — wenn nieine Ver-mutung richtig ist, von Bischof Peter von Augsburg — demSchirmherrn, Graf Ludwig von Württemberg, und dem Abt unter-breitet wurden. Der Graf (oder der Abt?) möge, um den Portgang 25der Sache zu sichern, die Hilfe des Konzils anrufen. Bereits seiein Legat erworben, der die Visitatoren bestellen und ihnen dieGewalt geben werde, den Abt und die Mönche von Reservaten undZensuren zu absolvieren' 1 ) und Vorkehrung zu treffen, dass siefortan „ordentlich und geistlich leben," sowie zwei Mönche, „die 30den Orden wissen," zur Unterweisung der andern aus reformierten
') Die wichtigsten Quellen für das Generalkapitel von' Wurzburg hatBcrliöre in Rev. Ben. XVI, 482—489 (vgl. XIX, 47) veröffentlicht; ebd. p. 485die Namen der 53 Äbte oder Prokuratoren, welche in die Hund des Kardinalsdie Reform für sich und ihren Konvent eidlich gelobten. Darunter befinden sichdie Äbte der später säkularisierten Klöster St. Burkard in Würzburg, Com-hnrg, Odenbeim und Sinsheim, während der Abt (oder ein Prokurator) von Ell-wangen fehlt.
») Oben S. 3—7; über Inhalt, Zweck, Zeit der' Abfassung und den mut-masslichen Verfasser des 2. Teils (Pro memoria) s. die Vorbemerkung S. 3 f.
3 ) Dies passt vorzüglich auf Abt Johann von Holzingen; vgl. oben S. 809.