Reform von Kastl. Konzil von Konstanz. 303
So entstanden in der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf deutschemBoden drei Reformen oder „Observanzen", die sich gerade in Süd-deutsehland, in .Schwaben das Feld streitig machten.
Die älteste dieser Reformen, aber auch die am wenigsten5 bekannte ist die von Kastl (Kastei, Üastelluin, BA. Neumarkt.) in derOberpfalz (Diözese Eichstätt), deren Beginn Trithemius ins Jahr 1404setzt und dein Abt Otto zuschreibt. Grössere Bedeutung hat sienicht erlangt, da. sieh ihr Einfluss nur auf einen kleinen Kreissüddeutscher Klöster erstreckte. ')10 Eine nachhaltige und weitgreifende Refornibcwegung setzte
etwas mehr als ein Jahrzehnt später mit dem allgemeinen Konzil
') Trithemius, Annal. Hirsaug. II, 321. 350. Einige kurze Daten über die.Reform von Kastl geben Schmieder in StudMittBenCist. XI, 589. 594 (darnachBerliere, Melanges 1, 27) und Linneborn ebd. XX, 282 f. Das Kirchenlexikonerwähnt die Reform von Kastl mit keinem Worte; die einmalige Erwähnungder „Kongregation" von „Castell" hei Ileimbueher I, 291 ist missvcrständlieh.Über das Kloster Kastl vgl. den Artikel in KHL. II, 317 (die dort verzeichnetelokalgeschichtliche Literatur war mir nicht zugänglich). Die knrze Notiz desJob. Trithemius wird durch die Handschrift Nr. 928 der Stiftsbibliothek von8t. Gallen (Verzeichnis der Ilss. [1875] S. 351) bestätigt; diese Papierhs. des15. Jahrh. berichtet auf Fol. 113—258 eingehend über die. Reformation despfälzischen Klosters St. Peter in Castello durch Abt Otto. Bernhard Pez hatim IX. Band seiner Bibliotbeca ascetica aus Ilss. von 8t. Ulrich und Afrain Augsburgund Melk zwei kleine Schriften eines sonst unbekannten Mönchs Franciscusveröffentlicht, der in der fast gleichzeitigen Augsburger Hs. als reformatormonasterii Castellensis bezeichnet wird: 1. Opuscnluni de inonacho adexemplum Christi crucitixo (p. 193—214), 2. Libellus epistolaria quaestionum re-gularium de vita sanetimonialinm virginum (p. 215—254 nach Cod. Mellieensis784 [0. 20] Fol. 120—129 a; eine andere Abschrift -- aus dem J. 1422 -in Hs. Nr. 43 des Zisterzienserstifts Wilhering Fol. 1G4—170, vgl. Xenia Ber-nardina II, 2 [Wien 18911). In der Aufschrift des zweiten Traktats ist magistroNycolao Prowin st. Prolvin (Pez p. 217) zu lesen. Nach Kap. 3 dieser, den Nonnenvon Libintal (= Liebental in Schlesien [KHL. II, 657] V) gewidmeten Schriftverweilte der Verfasser um 1400 einige Zeit im Kloster Sacro Speco zu Subiako.Darnach wird auch für die Reform von Kastl — wie für die von Melk — italie-nischer Ursprung anzunehmen sein. Die Bibliothek des Stifts Melk besitzt fernerin Cod. 356 (G. 16) Fol. 143 a—163 b einen Tractatus de flne religiöse perfee-tionis et de modo fruendi Deo in presenti vita compilatus a fratre Johannebaccalario sacre theologie, monacho et professo monasterii Ca-stellensis, sowie Fol. 164 a—183 b derselben Hs. einen zweiten Traktat wohldes gleichen Verfassers De natura, gratia et gloria ac beatitudinc in patria, beide inAbschriften von der Hand Johann Schlitpachers. — Weitere Aufschlüsse überdie Geschichte der Reform von Kastl dürfen wir von der Schrift erwarten, die[linneborn über die Ordensreformen des 15. Jahrh. vorbereitet.