304 Erster Teil. IL Kap. Reformbewegung im 15. Jahrhundert.
von Konstanz ein. Im Kloster Petershausen vor den Torender Bischofsstadt Konstanz traten am 28. Februar 1417 auf Anord-nung- der Kirchenversammlung die Äbte oder Vertreter fast sämt-licher Benediktinerklöster der Provinz Mainz-Bamberg (136an der Zald) zu einem Generalkapitel zusammen, um über Kefor- 5wen zum Pesten des Ordens zu Itcraten. Man beschloss, fortanregelmässig alle drei Jahre ein Generalkapitel sämtlicher Abte derProvinz abzuhalten und Klostervisitationen zu veranstalten, wie esschon das IV. Laterankonzil (1215, Kan. 12) und Papst Penedikt XII.in der Bulle Summi magistri vom 20. Juni 1336 (gewöhnlich 10„Benedictina" genannt) angeordnet hatten. Genau beobachtet, hättediese Vorschrift schon bisher sehr segensreich wirken müssen; abereben an der Anwendung hatte es man zumeist fehlen lassen. Jetztkam infolge des vom Konzil von Konstanz gegebenen Anstossesund einer Pulle des Papsts Martin V. vom Jahre 1422 wenigstens 15die regelmässige Abhaltung der Generalkapitel in deneinzelnen Provinzen wieder in Fluss.') Grösseren Schwierigkeitenbegegnete die Durchführung der allgemeinen Klostervisitation.
Eine andere, erfreuliche Frucht der Beratungen von Konstanz-Petershausen war die Reform von Melk in Niederösterreich. 2 ) 20Einige deutsche Mönche, an ihrer Spitze Nikolaus Seyringer vonMäzen, verpflanzten auf Anregung des Konzils und auf Bitten desHerzogs Albrecht V. von Osterreich die strengere Observanz im
') Vgl. Heimbucher I, 274 ff. 284. 287 f.; Trithemins, Annal. Hirsaug. II,346 ss.; Berliere, Les chapitres generaux de l'ordre de S. Benoit in Rev. Ben.XVIII, 364—398. XIX, 88—75. 268—278. 374-411. XXII, 377—397. Die„Benedictina" hatte den gesamten Benediktinerorden in 36, den deutschen Zweigin 4 Provinzen eingeteilt; die meisten Klöster zählte die Provinz Mainz-Bambergdl. h. die Kirchenprovinz Mainz utid das exemte Bistum Bamberg).
") Vgl. Heimbucher I, 287 f.; Artikel ,Mazen' und ,Melk' in KL. VIII,1120 f. bezw. 1237 f. Genauere Auskunft geben die Werke von Schramb, ühro-nicon Mellicense, Kropf, Bibliotheca Mellieensis (p. 135—199), und Keiblinger,Geschichte des Benediktinerstiftes Melk, I. Bd. Die Abhandlung von Berliere,La reforme de Melk, in Rev. Ben. XII, 204—213. 289—309 und erweitert inseinen Melanges d'histoire Benedictine I (1897), 27—56 konnte ich nach Absehlussdes Manuskripts noch von auswärts erhalten; Hie lieferte keine nennenswertenNachträge für die vorliegende Arbeit. Die von dem Reformabt Nikolaus Sey-ringer (1418—25) verfassten .Statuta, Mcllicensia, eine den deutsehen Verhältnissenangepasste Überarbeitung der Consuetudines Sublacenses, auch unter dem TitelBreviarium eaeremoniaram, bei Schramb p. 320—355 (ein Auszug davon beiKeiblinger S. 494 ff.); die bei der Visitation 1451 vorgelegten Hausstatuten beiSchramb p. 404 — 422, das Memoriale dominorum visitatorum vom selben Jahreebd. p. 423 ss. und Keiblinger S. 567—571.