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Die Umwandlung des Benediktinerklosters Ellwangen in ein weltliches Chorherrenstift (1460) und die kirchliche Verfassung des Stifts : Texte und Darstellung
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Ursachen des Verfalls. 299

unheilbaren Zustünden. Das Kloster wurde vielmehr gerade imletzten Jahrhundert seines Bestands in schwerster Weise durchzahlreiche äussere Unglücksfälle heimgesucht, die besonders imzweiten Viertel des 15.Jahrhunderts wie mit einem Schlage über das-5 selbe hereinbrachen und seinen völligen Untergang herbeiführenhalfen. Auf die grosse Teurung der Jahre 1430 bis 1438 folgtesofort eine Pestepidemie (1439), die drei Konvcntualen dahinraffte.Gleichzeitig (1433) hatte ein grosser Brand, der auch das Klosterbedrohte, die Stadt in Asche gelegt. Kaum war sie notdürftig aus

10 dem Schutt erstanden, da wurde in der Nacht vom 12. auf den13. Dezember 1443 das Kloster selbst mitsamt dem (letreidekasten(habitacula nostra, dormitorium, refectorium cum ambitu, cummaximo damno frumentorum") ein Raub der Flammen; nur dieherrliche Klosterkirche des hl.Vitus entging glücklich der Katastrophe. 1 )

15 Das Brandunglück .bedeutete den Untergang des Restes von klöster-licher Ordnung, den die Konvcntualen bis dahin bewahrt hatten,und gab wohl den ersten Anstoss zu dein Plan der Säkularisation.Wohl sprachen Abt und Konvent bis Ende 1459 öfters von demWiederaufbau der Klostergebäude, aber es war ihnen damit niemals

20 ernst; wenigstens legte man nicht energisch und entschlossen dieHand an, sodass noch nach 17 Jahren weder Dormitorium noch Refek-torium vorhanden war und die Mönche in der Stadt in Privat-häusern lebten. Kein Wunder, wenn schliesslich der Gedanke, dasKloster, anstatt es wieder aufzubauen, in ein weltliches Chorherrn-

25 stift umwandeln zu lassen, schliesslich feste Gestalt annahm. Soentzog man sich am sichersten ein für allemal dem lästigenDrängen der Ordenskapitel und Visitatoren, zur Observanz, d. h. zurursprünglichen Strenge der Ordensregel, zurückzukehren. Auchdurfte man hoffen, dass die Hindernisse, die der Verwirklichung

30 des Planes im Wege stehen mochten, sich verhältnismässig leichtüberwinden lassen werden; konnte man ja doch dem apostolischenStuhl mit Fug und Recht vorstellen, dass es sich lediglich umeine Veränderung formeller Art handle, nämlich darum, dem längstbestehenden stiftischen Charakter des Klosters durch die Uniwand-

'35 hing gesetzliche Anerkennung zu gewähren.

In der Tat war die Verfassung und Disziplin in Ellwangenseit Menschengedenken mehr die eines weltlichenStifts als einesRenedik-tinerklosters; die Angleichung an stiftische Einrichtungen war ebenso alt,

') Vgl. dae Ohronicon Elvaeensc zu den genannten Jahren (Gipfel p. 47 s.).