296 Erster Teil. I. Kap. Verfall des Klosterwesens.
sind zahlreich und nach Ort und Zeit verschieden. Neben denallgemeinen geschichtlichen Verhältnissen jenes Zeitabschnitts, demsog. babylonischen Exil der Päpste, dem grossen abendländischenSchisma, den nationalen Kriegen und kirchenpolitischen Kämpfen,kommen verheerende Pestepidemien, Brand- und andere Unglücks- 5fälle in Betracht, die einzelne Klöster ausserordentlich oft undschwer heimsuchten und an den Rand des Verderbens brachten.Hauptsächlich aber wurde die schlimme Wendung dadurch herbei-geführt^ dass der Adel die von ihm gestifteten Häuser und auchdie älteren, begüterten Klöster „als Rcntenanstalten zur Versorgung 10jener Familienglicdcr betrachtete, durch deren Verbleiben in derWelt das Erbe des Geschlechtes zu stark geschmälert wordenwäre." Daraus folgte „die Besetzung der Klöster ausschliesslichdurch die Sprösslinge des grundbesitzenden Adels der Nachbar-schaft, die Verminderung des Personalstandes mit Rücksicht auf 15die dadurch herbeigeführte Vergrösserung der Pfründen, die allge-meine Verweltlichung und Verderbnis." Die adeligen Mönche undNonnen hingen nämlich mit ihren Sippen aufs engste zusammen undübertrugen die Forderungen ihres Weltlebens in die Stille desKlosters.') 20
So tritt auch der allgemeine Verfall des Bcnediktinerklostcrsdes hl. Vitus in El Iwan gen namentlich seit den Tagen des AbtsKuno(lL) von Gundelfingen (1832—1367) offen zutage.*) Zu
„desolation" s. II, 2, 611—764. — Eine Schilderung ähnlicher Missstände inMänner- und Fraucnklöstern des Dominikanerordens in Deutschland gibtReichert in der Ausgabe von .loh. Meyer, Buch der Reformatio I, EinleitungS. XIV f. — Über die vergeblichen Reformversuche im Franz iskan erklosterzu Schwäbisch Hall (1484—1502) vgl. Kolb in: Württembergisch FrankenN.F. IV (1892), 13—20; die Durchführung der Reform im Franziskanerklosterin Ulm und im Kl arissen kl os ter zu Söflingen schildert kurz 0. Tb.Keim,Die Reformation der Reichsstadt Ulm (1851) S. 9—13. — Über den Kar-täuserorden in dieser Periode vgl. Heimbucher 1, 480; KHL. II, 309. —Über Groots Stiftungen (die Windesheimer Kongregation und die freierorganisierten Häuser der Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben)vgl. Heimbucher III, 401-410; Kl. Löffler im Historischen Jahrbuch XXX (1909),762—798.
') Ich gebe hier teils wörtlich teils dem Sinn nach die treffenden Bemer-kungen Anton E. Schönbachs über die entarteten Söflinger Nonnen im „Allge-meinen Literaturblatt'' (Wien) XVII (1908) Nr. 19 Sp. 594 wieder.
*) Die Geschichte des Klosters vom Ende des 13. Jahrb. (das Wirtem-bergische Urkundenbuch reicht im X. Band [1909] bis 1296) bis zur Umwandlungist noch nicht erforscht. Dürftige, aber zuverlässige Notizen teilte P. Stalin inder Beschreibung des OA. Ellwangen mit (besonders S. 447—450). Einige