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Sechste Lieferung (1825) Der Deutsche Staatenbund und zwar die süddeutschen Staaten : I. Königreich Baiern. II. ... Würtemberg. III. Großherzogthum Baden. IV. ... Hessen. V. Die Hohenzollerschen Lande
Entstehung
Seite
XXIX
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Rhcinhessen hat dagegen Mangel an Holz. Man rechnet inersterer Provinz 488,879 Morgen Forsten, den Morgen zu400 Klaftern gerechnet, und in Oberhessen 563,962 Mor-gen Holzung. Bei Neckarsteinach wird die bekannteSchälholz - und Hackwirthschaft auf den dortigen BergenMit einem zwölfjährigen Umtrieb, mit Vortheil beibehalten.In Rheinhesscn gicbt es nur 5218 Morgen Waldung, esmuß daher der Mangel durch Zufuhr ersetzt werden.

7 ) Viehzucht. Der Wiesewachs als Hauptunterlagehierzu, ist im Odenwalde, am Vogeleberge und bei Lam-pertheim am Rhein am vorzüglichsten, a) Rindvieh-zucht. Das Molkenwescn ist in Rheinhesscn und in derProvinz Starkenburg zweckmäßiger eingerichtet und besser be-nutzt als in Oberhessen; dagegen hat diese Provinz einengrößer» Diehstand und zählt noch einmal so viel Ochsen alsStarkenburg. Man kann füglich annehmen, daß Oberhes-sen einen Rindviehstand von t20,000 Stück hat. Am be-deutendsten ist die Rindviehzucht am Vogelsberge, jedoch fin-det man hier keine Stallfütterung eingeführct, sondern diesenur in einigen Districten und Städten der LandrathsbezirkeVilbel, Nidda, Büdingen, Remrod, Buchbach und Gießen.H) S ch aa fz u ch t, diese ist in Oberhessen am stärksten, manzählte (1316) 160,000 Stück Schaafe. Was die Raceanbelangt, so ist diese nicht vorzüglich und bedürfte durchausländische Böcke wohl einer Veredlung, e) Pferde-zucht ist nicht besonders geschätzt im Lande, obschon meh-rere Gegenden, namentlich die Provinz Oberhcssen sich ganzdarzu eignet. Das herrschaftliche Gestüte zu Neu-Ulrich-stein ist nur schwach besetzt, und in der Provinz Starkcn-burg befindet sich noch ein Landgestüte. 6) Ziegenzucht,diese ist nur unbedeutend, e) Schweinezucht, nichtallein daß diese zum Bedarf ausreicht, sondern es werdenauch jährlich viele Schweine ausgeführt. Zn Starkcnburgkommen auf eine Meile mehr denn 6oo Schweine undin dem Städtchen Lauterbach werden jährlich an roooSchweine geschlachtet, k) Esel - und Maulesel wer-den nur wenige gezogen. §) Bienenzucht wird nurnothdürftig getrieben, am besten noch im Odenwalds undam schlechtesten in Oberhessen.

8) Fischerei, hierzu gewähren Flüsse, Bäche undTeiche reiche Beute; zu bemerken sind vorzüglich die Lachseund Raifische im Rhein, und die Forellen in den Gebirgs-bächen.

9) das Minera lreich liefert Kupfer, Eisen, Stein-kohlen, Salz und Braunkohlen, letztere im Amte Seligen-stadt. Das wichtigste Bergwerk im Großherzogthume ist das

VI. Heft.

Kupferbergwerk in der Herrschaft Itter in Oberhessen. Beider Stadt Königsberg findet man besonders gute rothe undbraune Eisensteine, die auf der Eisenhütte bei Biedenkopfgeschmolzen werden. Von großem Werthe sind die bedeu-tenden Braunkohlenlager, welche von Friedberg an bis zumFuße des Vogelberges in einer bedeutenden Liefe und Breitesich erstrecken. Die Provinz Oberhessen hat, obschonnicht ausreichenden Salzbedarf, doch drei Salinen, unterdenen die zu Salzhausen bei Nidda, die bedeutendste ist,die andern beiden zu Wisselsheim bei Friedberg und bei Bü-dingen sind weniger erheblich. Die Provinz Starkenburgbesitzt die überaus reiche Saline zu Wimpfen im' Thal.Rheinhessen hat keine Salzquellen, erhält aber seinen Be-darf aus der im Vertrage 1816 mit Preußen als Domainczu Hessen gekommenen Saline bei Kreuznach.

Manufactur- Fabrik- und Kunstbetrieb.

Das Handwerks- Fabrik- und Manufacturwesen ist einwesentlicher Erwcrbsgcgcnstand des Großherzvgthums, in-zwischen ist in diesen Branchen noch manches zu thun übrig,ehe sie als blühend bezeichnet werden können. Offenbach isteigentlich die einzige Fabrikstadt des Landes. In Oberhes-sen machen außer den gewöhnlichen Handwerken mancherArt, die Spinnerei und Weberei in Leinen, das Hauptgc-werbe aus, und Lantcrbach, Schlitz, Herbstein, Ilbeshau-sen, Alsfeld und Remrod sind die Hauptorte im östlichenTheike der Provinz. Die wichtigste Waare, die diese Orteliefern, bestehet in der weißen Leinewand, die unter demNamen Schvcktuch bekannt ist. Zm Starkenburgischen istdie Spinnerei und Weberei weit weniger von Belang,am meisten wird sie noch im Odenwalde getrieben. Diefeine Leinewand wird auf den Schweizer-Bleichen zu Of-fenbach, so wie bei Seeheim gebleicht.

Die Wollfabrikation war ehedem in Oberhessenblühender als jetzt, indem sich dermalen nur eine bedeu-tende Wollfabrik, nehmlich zu Alsfeld b'findet. In Bie-denkopf befinden sich auch noch Tuchwebereien mit 170Tuchmachermeistern. An Strumpfwebern und Hut-machern fehlt es in gedachter Provinz nicht, das AmtBüdingen produciret jährlich für mehr denn 20,000 Gul-den, sie arbeiten aber einzeln und liefern nur sehr mittel-mäßige Producte. Im Landrathsbezirk Vilbel werdenhalbwollene Maaren gcfertiget. Die Provinz Starkenburghat die Wollenmanufactur zu Pfungstadt, und der FleckenBeerfelden liefert sehr viele Tuche. Offenbach hat eine

Fabrik von faoonnirtem gewebten Wollplüsch;Strümpfe und Handschuhe werden zu Offenbach,Neu-Isenburg und zu Niederramstadt gewebet. Rheinhesssen hat eine Flanellfabrik zu Bingen.

Seide nfabriken findet man nur zu Offenbach undNeu-Isenburg, die Seidenstrumpfweber zu Babenhausenarbeiten für die Hanauer Fabriken.

Roth- und Weißgerbereien blühen in Lauter-bach, Gießen, Biedenkopf, Butzbach, besonders aber zuUlmstadt, Bingen, Mainz und Ncckarsteinach.

Papier wird von besonderer, Güte im Lande nichtfabriciret, und die Papiermühlen im Odenwalde und inOberhessen, am vorzüglichsten noch zu Itter, liefern größstenthcils nur gewöhnliche Schreibe - und Briefpapiere.

Das Mühlengewerbe ist besonders in der Pro-vinz Starkenburg, wo Mehl - Oel- Pulver - Gyps - Säge-Krapp, und Schleifmühlen in Menge vorhanden sind, imSchwünge. In Rhcinhessen findet man 276 Mühlen.In Oberhessen sind die feinen Graupen - und Mehlmüh-len in Hinsicht der Lieferung der Waare noch zurück.

Tabaksfabriken giebt es 6 in Rhcinhessen, 2 zuOffenbach, 2 zu Darmstadt, r zu Gernsheim, 1 zu Neckar-steinach, i zu Rödelheim und i in Gießen.

Metallfabriken anbelangend, so fehlt es nicht anNagelschmicden, Büchsenmachern, Schlossern; ferner besitztGedern 12 Nadler, die fabrikmäßig arbeiten. In Offen-bach ist eine Nadel- und Pfeifendeckelfabrik; ferner einein lackirten Blechwaaren, Bijouterie - und Silbcrwaaren,welche letztere auch in Mainz und Aarmstadt gemachtwerden. Rheinhessen hat 295 Huf- und 25 Nagel-schmiede, 92 Schlosser, 8 Messerschmiede, 33 Dlech-schmiede, 23 Gold- und Silberarbciter.

Hvlzwaaren liefern in Rheinhesscn allein 43 Drechs-ler, i4Ebenisten, 8 Kulschenfabrikanten, 176 Wagner,n Instrumentmacher und 1 Schiffbauer. In Offenburgist eine große Wagen- und Kutschcnfabrik.

Fabriken aus Stoffen gemischter Gegen-stände befinden sich vorzüglich zu Offenbach i» Wachs-leinewand, Wachstaffcnt, Wachslichtern, Wagen- undPferdegeschirr, Hüthcn, Reisechatouillen, Steingut undFayence, seidnen Strümpfen, Handschuhen, DIeiweiß, Re-gen - und Sonnenschirmen, Chocolate, Borden, Gold-Sil-bers und Stukkaturarbeiten rc.

Potaschsiedereien findet man im Odenwalds, inder Herrschaft Schlitz und im Amte Battenberg; Seife-und Leimsiedereien, Stärke- und Lichterfabri-

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