Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Sechs und zwanzigster Band (1803)
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

-83

zudringliche Fragen und ungegründete Klagen, in ei-nem eben so gefälligen Ton zu antworten, als zu schrei-ben wußte, waren sehr verwundert, m Voisin geradedas Gegentheil von allem diesem zu finden. Dieserließ sich selten und uugerne sehen, war in sich ver-schlossen, wies jedermann von sich zurück, brach dasGespräch ab, antwortete trocken, gleichgültig undkurz, und drehte den Sprechenden entweder den Rü-cken zu, oder brachte sie durch einige absprechende, ge-biererische Worte zum Stillschweigen. Seine plum-pen Briefe enthielten nur laconische und eigenmächtigeAntworten, oder eine kurze Ankündigung von dem,was er als Herr befahl, mit dem jedesmaligen Bey-satz: der König will so.

Wer Geschäfte mit ihm hatte, die von andern alsIntendanten- Regeln abhiengen war übel daran. So et-was setzte ihn ausser seine Sphäre; weil er seine Schwa-che fühlte, brach er dann kurz ab, und wurde hitzig,um der Sache ein Ende zu machen. Uebrigens warer weder aus Vorsatz ungerecht, noch von Natur bös-artig; nur kannte er nichts, als die Autorität, denKönig und die Frau von Maintenon, deren Willeseine Vernunft und sein höchstes Gesetz war.

Ein solcher Mann war Voisin. Im Junii 1709wurde er zum Staatsrath und Mmister und nachher,ein Jahr vor dem Tode VeS Königs, zum Siegelbe-wahrer und Kanzler von Frankreich ernannt. Dießwar der Zustand des Hofs im Jahr 1709.

9 »

Der Hof zu Versailles war damals in drey Par-theyen getheilt. In die vom hohen Adel, von denMinistern und von Meudvn. Es waren die vornehm-sten Personen darunter, von denen aber wenige offen

und