Druckschrift 
Abteilung 2 Bd. 25 (1803)
Entstehung
Seite
253
Einzelbild herunterladen
 

-53

Man reiste wieder nach Marly, und die UrsinSwar von der Gesellschaft.

Es ist unglaublich mit welcher triumphirendenMiene sie jetzt auftrat, und mit welcher Aufmerksam-keit sie der König behandelte. Sie hatte mit ihm öf-terS sehr lange Unterredungen bey Frau von Mainte-non, und ihre geheimen Morgenbesuche bey der letz-kern erhoben sie zur Gottheit des Hofes.

Nunmehr war ihre Rückkehr nach Spanien keinemZweifel mehr unterworfen; indessen sah sie sich in ih-rem Vaterlande so über alle Vorstellung geehrt, daßsie wirklich anstand. Die lebhafte Liebe ihrer Königinkonnte sie nicht mehr reizen, und sie suchte immerAusflüchte, wenn man ihr leise zu verstehen gab, daßsie reisen möchte: daS Alter und die Gesundheit derMaintenon gaben ihr Hoffnung; die Auszeichnungund die Freundschaft, mit der sie der König behandelte,und die allgemeine Achtung, die sie deswegen genoß,reizten sie; sie hätte lieber in Frankreich als in Spa-nien herrschen mögen.

Aber sie fühlte das Gefährliche dieser Reizungen,und entschloß sich endlich abzureisen. Aber sie wolltewenigstens ihre Reise so lange als möglich ausschieben,sich erst erbitten lassen, und ihre Abreise cheucr verbau-fen, ohne jedoch die Saite zu hoch zu spannen undin Frankreich etwas anders als die Befestigung ihrerHerrschaft in Spanien zu suchen.

Indessen wurde die Verzögerung ihrer Reise derFrau von Maintenon verdächtig, die keinen triftigenGrund dafür entdecken konnte. Man fing an sie zu

der