VI Colberts Verdienste
unterwerfen, zu Hülfe. Colbert vereinigte unschätz-bare Eigenschaften für den Staatsminister. DurchEinsichten und Arbeitsamkeit vermochte er dem Ruhmdesselben Dienste zu leisten, welche seine Bescheiden-heit^ dem, der sie benutzen wollte, ungetheilt ab-trat.
Bald wurde Colbert in die Geheimnisse derStaatsverwaltung eingeweiht. Er machte hievonkeinen Mißbrauch; sein Einfluß wurde nie das Ste-ckenpferd seiner Eitelkeit. Als Jüngling zeichnete ersich schon durch eine tiefe Zurückhaltung und durchdas feinste Zartgefühl aus, Eigenschaften, welche,wenn sie schon in diesem Alter sich zeigen, fast im-mer einen großen Charakter andeuten. Nebendem Feuer der Jugend können sie noch nicht ausjenem Mißtrauen Legen uns selbst entstehen, mitwelchem uns erst etwa die spätem Jahre anste-cken. In einem Alter von 29 Jahren wurde Cvl-bert zum StaatSralh ernannt, und Mazarin nachden Proben, die er in seinem Leben mit ihm ange-stellt hatte, gab ihm als Sterbender das glänzend-ste Zeugniß. In diesem kritischen Augenblick, inwelchem man wenigstens zuletzt noch der Wahrheitund Gerechtigkeit ein Opfer bringen zu müssenglaubt, sagte Mazarin Ludwig dem XIV: „Ich„bin Cw Majestät alles schuldig, einen Theil meiner„Schuld aber glaube ich abzutragen, indem ich Ihnen„Colbert zuführte." Und welch höheres Geschenk
tönn-