schriften zusammenstimmcn. Allein der Mensch, dessenAnlagen dagegen streiten, handelt mit mehr Vergnü-gen gegen die Vernunft, als jener ihr gehorcht. Wasist nun meine Absicht? Ein Gemälde von demmenschlichen Leben zu entwerten. Ich werde darinnicht zeigen, wie die Menschen denken und handeln soll-ten> sondern wie sie wirklich denken und handeln, wassie fähig sind, zu thun, und aus welchen Bcwcggrün-den. Alle Schriften enthalten nur zu viel Ideen; indieser sollen nur wirkliche Gegenstände abgebildet wer-den, worin ein jeder sich und seinesgleichen erkennenwird. Vielleicht erreiche ich durch die Vorstellung dervielen verschiedenen Wege, welche die Menschen zu ih.rem Gluck wählen, daß wenn auch nicht der größte, dochder bessere Theil, dem geradesten und rechtschaffenstenfolgt. Das große Buch der Welt, sagt mau daher,sey das mißlichste der Bücher, weil cs das einzige ist,das durch die Erfahrung den wahren Weg zur Gluckse-tigkelt zeigt, und dieser ist, und kann kein anderer seyu,als Wahrheit und Tilgend.
Es wäre zu wünschen, daß in jedem Iahrhun-dert unparteiische Beobachter, die Sitten, Verände-rungen, und die Ursachen davon, aufzeichneten. Dießgäbe eine Uebersicht aller Jahrhunderte, welche fürMänner von vorzüglichem Geiste von großem Rußenftyn würde. Mau wird mir antworten, daß die Ge-schichte uns diese Erfahrung gebe. Allein sie enthältmehr Begebenheiten, als Reflexionen; die Personenwerden darin entweder sehr schön, oder sehr häßlich ge-schildert; cS wird oft von wenig oder gar nicht gekann-ten Personen gesprochen, und em Geschichtschreiberwagt es aus tausendj verschiedenen Ursachen oft nichteinmal, zu sagen, was er darüber denkt. Die Ge-schichte kann uns jene wahre und nützliche.Erfahrung