Denkwürdigkeiten
vom Jahr 1615.
Ja n u a r.
Anfang dieses Jahrs versprach günstigere Aus-sichren für die öffentlichen Angelegenheiten, alsder des vorigen; versprach sie aber auch nur, ohnecs zu halten, wie wir in der Folge sehen werden.Jedermann gab sich daS Ansehn, m den Schranken desGehorsams bleiben zu wollen. Alle Provinzen verhaltensich ruhig, und ihre gespannte Erwartung ist auf denGang des Reichstags gerichtet; alle Prinzen und Großeoder doch der gröste Theil von ihnen, sind am Hof,und wenigstens einige von ihnen brüten über verhalte-ner Unzufriedenheit, die sie eines TageS hervyrbrechenzu lassen gedenken.
Der Marschall von Ancre, seine Gemahlinn, derKanzler, nebst dem Commandeur von Sillery, sind die-jenigen, welche vorzüglich das Steuer der Geschäfteführen und den stärksten Einfluß haben; der Herzogvon Guise, nebst seinen Brüdern, und der Herzog vonEpcrnvn haben eine vielgeltende Stimme und gewicht-volles Ansehen in den Conseils und bei Senkung der Ge-schäfte; der Prinz führt unaufhörlich Beschwerden, daßman ihm so wenig Einfluß verstatte, und auf seine Ge-burt so wenig Rücksicht nehme; der Herzog von Longue-
ville