Der andre wollte replkciren: „Herr Kanzler,was kann denn ich dafür, da jener sagte, er sey vonder Kanzlei- und mir versprach mich abzufertigen ? Ichwendete mich an den ersten Besten, der mir die Aus-fertigung meiner Sache versprach."
„Reden wir nicht weiter davon, versetzte derKanzler; denn wenn ich wollte, so könnten Sie großeUngelegenheit davon haben. Lassen Sie sich aber nichtwieder so finden." So verwies ec diesem Cava-lier auf eine gelinde Art seine Unvorsichtigkeit unddieß Beyspiek beweist, daß dieser große Censor nichtso ganz streng war, daß er sich nicht auch bisweilengemäßigt hätte.
Er war aber auch so vollkommen in den Huma-nioren, daß er gar wohl Humanität vorwalten zu las-sen wußte, wo es^nörhig war und wo er einsah, daßdie Personen cs verdienten. Es milderten also dies«sanftern Wissenschaften seine Strenge in der Gerech-tigkeit um gar vieles.
Er war «in großer und sehr beredter Redner, eingroßer Historiker und vorzüglich ein ganz göttlicherlateinischer Dichter, wovon mehrere seiner Werke un-verkennbare Beweise sind.
Wollte Gott, er lebte noch, er und jener großeHerr Connetable, um uns zu Censoren zu dienen,wie wir sie nöthig haben. Sie waren traun ganzandre Leute, als ein Cato, jener römische Censor,der überall zu tadeln fand alles eensurirte und re-formircn wollte, wovon aber der Grund bey ihmmehr in einer gewissen eigensinnigen und mürrischenLaune, in einer rauhen und harren Tadelsucht lag,als in einem bescheidenen und einsichtsvollen Bestre-ben eine wahre Besserung zu bewirken. Dieß legiere