Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Zehnter Band (1795)
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen
 

2Z0 ^

men und kommen werden, sich seine Kinder und ihnihren Vater nennen können, denn er hat sic alle ge-zeugt. Er ist es, der die häßliche, grobe, fade, al-berne und übel paffende Poesie, welche vorher ge-wöhnlich war/ aus der Mode brachte und die reizende,die wir gegenwärtig sehen, einsührte. Er schmücktesie mit erhabenen und nachdrücklichen Sentenzen, gabihr neue Worte und flickte sie mit alten aus, die erwieder gut auöbefferte und auffrischte, wie ein Aus-beffercr mit einem alten Rock thut.

Unter ihm und in seinem Gefolge bildeten sichaber auch jene bewundernswürdigen Herrn von Vellay,Ba s, Bcllcau, Iobelle, Nicolas, Dcrisot, Dlivier,und Pafferat. Ich übergehe hier den Herrn Dcspor-tes, du Perron, dDrlcans und eine Menge andrer,die nachher kamen, wie Vartas, ein großer Mannund andre, wie Herr Garnier, der sie alle im Erha-benen, Nachdrücklichen und Tragischen übertraf.

Eins muß ich doch noch von diesem Herrn vonRonsard anführen. Als ich eines Tags zu Venedigbey einem der vorzüglichsten Buchhändler war und einenPecrarch mit großer Schrift in großem Format undmit einem Commentar verlangte, so war zugleichein großer Herr bey ihm, der sich mit Lesen amüsirteund der mir, als er dicß hörte, halb Italienisch, halbsehr gut Französisch (denn ex war ehmahls Gesandteri» Frankreich gewesen) sagte: ich wrmdrc mich, meinHerr, wie Sie eine» Pctrarch unter uns suchen mö-gen, da Sie doch selbst einen in ihrem Frankreich ha-ben, weicher zwcymahl besser ist, als der unsrige,nehmlich Ihr Herr von Ronsard. Darüber fing erdenn an, ihn über alle Poeten zu erheben, die er jegelesen hätte, und unterhielt mich sehr lang« Zeit nicht

nur