Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Zehnter Band (1795)
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

woran in diesem Lande kein Mangel ist, und dann an-fingen Psalmen zu singen, so abscheulich und so unhartmonisch, als man sich gar nichts vorstellen kann.Himmel, welche Musik und weiche Ruhe für sie indieser ersten Nacht!

Am folgenden Morgen hatte man ihr bald ihrenAllmvsinier in ihrer eignen Wohnung umgebracht,waS auch richtig geschehen wäre, wenn er sich nichtnoch bey Zeiten aus dem Staube gemacht hätte, da siedenn mit ihm eben so verfahren wären, wie nachhermit ihrem Sekretair David, den die Königin» als«inen Mann von Kopf gern in ihren Geschäften brauch-te, den man ihr aber vor ihrem Saal so nahe bey ihrtödete, daß sein Blut ihr aufs Kleid sprühte und ertvdt zu ihren Füßen fiel.

Welche unwürdige Behandlung! Sie erlaubtensich aber wohl noch? andre gegen sie, und man darf sichdaher nicht irre machen lassen, wenn sie nachtheiligvon ihr sprachen. Diese Begegnung gegen ihren Allmv«finier machte sie so traurig und niedergeschlagen, daßsie sagte: dieß ist ein schöner Anfang und ein guterBeweis, den meine Unterthanen mir zur Bewillkom-mung von ihrem Gehorsam geben. Ich weiß nicht,waS dieß für ein Ende nehmen wird, aber ich ver-spreche mir gar nichts Gutes davon. Die arme Für-stin« zeigte sich auch hierin als ein« große Caffandravon Seiten des prophetischen Geistes, so wie sie eSan Schönheit ohnehin schon war.

Hier lebte sie drey Jahre sehr untadelhast inihrem Wittwenstand, in dem sie auch geblieben seynwürde, da sie kein Verlangen trug, den Manenihres Gemahls zu nahe zu treten; akein die Ständeihres Königreichs baten sie und lagen ihr darum an.