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zu verdunkeln anfieng. So groß war ihre körperlicheSchönheit»
Ihre Seelenschönheit war'es nicht minder: dennsie war sehr stark im Lateinischen, in ihrem drey-zehnten bis vierzehnten Jahre deklamirte sie vor demKönig, der Königinn und dem ganzen Hof öffentlichim Saal des Louvres eine von ihr aufgesetzte lateinischeRede, worin sie gegen die gemeine Meinung den Satz be-hauptete und vertheidigte, daß es sich für das schöneGeschlecht sehr gut schicke, in den Wissenschaften undfreyen Künsten erfahren zu seyn. Man stelle sich nuneinmahl vor, was für eine herrliche und bewunderns-würdige Sache «6 darum gewesen seyn muß, diesegelehrte und schöne Königinn solchergestalt lateinischdeklamiren zu hören, was sie sehr gut verstand undsprach. Ich habe sie, bey dieser Gelegenheit selbstgesehen. Sie ließ auch von Antoine Fochainc ausChauny in Vermenvois eine ihr zugeeignete Rhetorik inFranzösischer Sprache aufsetzen, die wir noch haben, umLiese Sprache besser zu verstehen und noch beredter zu wer-den, wie sie denn auch wurde und besser, als wenn sic inFrankreich selbst gebohren gewesen wäre, sprechen lernte.
Es war auch sehr angenehm ihr zuzuhören,wenn sie sprach, es mochte nun mit den höchsten odermit den niedrigsten seyn. So lang sie in Frankreichwar, behielt sie sich immer zwo Stunden täglich frcyzum Studieren und Lesen; dadurch brachte sie eS dennauch so weit, daß es unter allen menschlichen Wissen-schaften keine gab, wovon sie nicht gut zu sprechen ge-wußt hätte»
Vor allen Dingen liebte sie die Poesie und da-rin vorzüglich Len Herrn Ronsard, den Herrn von
Belley