EPILOG.
i.
Ich habe mich oft gefragt, ob ich den schwerstenJahren meines Lebens nicht tiefer verpflichtet bin alsirgend welchen anderen. So wie meine innerste Natures mich lehrt, ist alles Nothwendige, aus der Höhe gesehnund im Sinne einer grossen Ökonomie, auch das Nütz-liche an sich, — man soll es nicht nur tragen, man solles lieben . . . Amor fati: das ist meine innerste Natur.— Und was mein langes Siechthum angeht, verdankeich ihm nicht unsäglich viel mehr als meiner Gesundheit?Ich verdanke ihm eine höhere Gesundheit, eine solche,welche stärker wird von Allem, was sie nicht umbringt! —Ich verdanke ihm auch meine Philosophie . . .Erst der grosse Schmerz ist der letzte Befreier des Geistes,als der Lehrmeister des grossen Verdachts, der ausjedem U ein X macht, ein echtes rechtes X, das heisstden vorletzten Buchstaben vor dem letzten . . . Erst dergrosse Schmerz, jener lange langsame Schmerz, in demwir gleichsam wie mit grünem Holze verbrannt werden,der sich Zeit nimmt —, zwingt uns Philosophen in unsreletzte Tiefe zu steigen und alles Vertrauen, alles Gut-müthige, Verschleiernde, Milde, Mittlere, wohin wir viel-leicht vordem unsre Menschlichkeit gesetzt haben, vonuns zuthun. Ich zweifle, ob ein solcher Schmerz „verbessert“:aber ich weiss, dass er uns vertieft . . . Sei es nun, dass