gieng, zitterte ich; nicht lange darauf war ich krank,mehr als krank, nämlich müde, — müde aus der unauf-haltsamen Enttäuschung über Alles, was uns modernenMenschen zur Begeisterung übrig blieb, über die aller-orts vergeudete Kraft, Arbeit, Hoffnung, Jugend, Liebe,müde aus Ekel vor der ganzen idealistischen Lügnereiund Gewissens Verweichlichung, die hier wieder einmalden Sieg über einen der Tapfersten davongetragen hatte,müde endlich, und nicht am wenigsten, aus dem Grameines unerbittlichen Argwohns — dass ich nunmehr ver-urtheilt sei, tiefer zu misstrauen, tiefer zu verachten,tiefer allein zu sein als je vorher. Denn ich hatteNiemanden gehabt als Richard Wagner . . . Ich warimmer verurtheilt zu Deutschen . . .
2.
Einsam nunmehr und schlimm misstrauisch gegenmich, nahm ich, nicht ohne Ingrimm, damals Parteigegen mich und für Alles, was gerade mir wehthatund hart- fiel: so fand ich den Weg zu jenem tapferenPessimismus wieder, der der Gegensatz aller idealistischenVerlogenheit ist, und auch, wie mir scheinen will, denWeg zu mir, — zu meiner Aufgabe . . . Jenes ver-borgene und herrische Etwas, für das wir lange keinenNamen haben, bis es sich endlich als unsre Aufgabe er-weist, — dieser Tyrann in uns nimmt eine schrecklicheWiedervergeltung für jeden Versuch, den wir machen,ihm auszuweichen oder zu entschlüpfen, für jede vor-zeitige Bescheidung, für jede Gleichsetzung mit Solchen,zu denen wir nicht gehören, für jede noch so achtbareThätigkeit, falls sie uns von unsrer Hauptsache ablenkt,— ja für jede Tugend selbst, welche uns gegen die