Druckschrift 
8 : Abth. 1, Bd. 8 (1895) Der Fall Wagner [u.a.]
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

4 2

hell, zu gesund. ATrsteht ihr das? Die Gesundheit, dieHelligkeit als Schatten wirkend? als Ein wand beinahe?...So weit sind wir schon reine Thoren . . . Niemals gabes einen grösseren Meister in dumpfen hieratischen Wohl-gerüchen, nie lebte ein gleicher Kenner alles kleinenUnendlichen, alles Zitternden und Überschwänglichen,aller Femininismen aus dem Idiotikon des Glücks! Trinktnur, meine Freunde, die Philtren dieser Kunst! Ihr findetnirgends eine angenehmere Art, euren Geist zu entnerven,eure Männlichkeit unter einem Rosengebüsche zu ver-gessen . . . Ah dieser alte Zauberer! Dieser Klingsor allerKlingsore! Wie er uns damit den Krieg macht! uns, denfreien Geistern! Wie er jeder Feigheit der modernenSeele mit Zaubermädchen-Tönen zu Willen redet! Esgab nie einen solchen Todhass auf die Erkenntniss!Man muss Cyniker sein, um hier nicht verführt zu wer-den, man muss beissen können, um hier nicht anzubeten.Wohlan, alter Verführer! Der Cyniker warnt dich cav_eceinem ...

Die Anhängerschaft an Wagner zahlt sich theuer.Ich beobachte die Jünglinge, die lange seiner Infektionausgesetzt waren. Die nächste, relativ unschuldige Wir-kung ist die des Geschmacks. Wagner wirkt wie einfortgesetzter Gebrauch von Alkohol. Er stumpft ab, erverschleimt den Magen. Spezifische Wirkung: Entartungdes rhythmischen Gefühls. Der Wagnerianer nennt zuletztrhythmisch, was ich selbst, mit einem griechischen Sprüch-wort,den Sumpf bewegen nenne. Schon viel gefähr-licher ist die Verderbniss der Begriffe. Der Jüngling wirdzum Mondkalb, zumIdealisten. Er ist über dieAVissenschaft hinaus; darin steht er auf der Höhe desMeisters. Dagegen macht er den Philosophen; er schreibtBayreuther Blätter; er löst alle Probleme im Namen des