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geschwächt, wenn er sich rationalisirt: denn damit, dasser sich rationalisirt, schwächt er sich. Wenn es Anzeichendafür giebt, dass, trotz dem Gesammt-Charakter der euro-päischen decadence, noch einen Grad Gesundheit, nocheine Instinkt-Witterung für Schädliches und Gefahr-drohendes im deutschen Wesen wohnt, so möchte ichunter ihnen am wenigsten diesen dumpfen Widerstandgegen AVagner unterschätzt wissen. Er macht uns Ehre,er erlaubt selbst zu hoffen: so viel Gesundheit hätteFrankreich nicht mehr aufzuwenden. Die Deutschen,die Verzögerer fiar exccllence in der Geschichte, sindheute das zurückgebliebenste Culturvolk Europa’s: dieshat seinen Vortheil, — eben damit sind sie relativ dasj üngste.
Die Anhängerschaft an Wagner zahlt sich theuer.Die Deutschen haben eine Art Furcht vor ihm vor ganzKurzem erst verlernt, — die Lust, ihn los zu sein, kamihnen bei jeder Gelegenheit.*) — Erinnert man sich einescuriosen Umstandes noch, bei dem, ganz zuletzt, ganzunerwartet, jenes alte Gefühl wieder zum Vorschein kam?Es g'eschah beim Begräbnisse Wagner’s, dass der erstedeutsche Wagner-Verein, der Münchener, an seinem
*) Anmerkung. — War Wagner überhaupt ein Deutscher? Manhat einige Gründe, so zu fragen. Es ist schwer, in ihm irgend einendeutschen Zug ausfindig zu machen. Er hat, als der grosse Lerner, derer war, viel Deutsches nachmachen gelernt — das ist Alles. Sein Wesenselbst widerspricht Dem, was bisher als deutsch empfunden wurde:nicht zu reden vom deutschen Musiker! — Sein Vater war ein SchauspielerNamens Geyer. Ein Geyer ist beinahe schon ein Adler . . . Das, wasbisher als „Leben Wagner’s“ in Umlauf gebracht ist, ist fable convenne,wenn nicht Schlimmeres. Ich bekenne mein Misstrauen gegen jeden Punkt,der bloss durch AVagner selbst bezeugt ist. Er hatte nicht Stolz genugzu irgend einer Wahrheit über sich, Niemand war weniger stolz; er blieb,ganz wie \ r ictor Hugo, auch im Biographischen sich treu, — er bliebSchauspieler.