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Auch im Entwerfen der Handlung ist Wagner vorAllem Schauspieler. Was zuerst ihm aufgeht, ist eineScene von unbedingt sichrer Wirkung, eine wirklicheAcä'o*) mit einem hmitrelief der Gebärde, eine Scene, dieum wir ft — diese denkt er in die Tiefe, aus ihr zieht ererst die Charaktere. Der ganze Rest folgt daraus, einertechnischen Ökonomik gemäss, die keine Gründe hat,subtil zu sein. Es ist nicht das Publikum Corneille’s, dasWagner zu schonen hat: blosses neunzehntes Jahrhundert.Wagner würde über das „Eine, was noth thut“ ungefährurtheilen, wie jeder andre Schauspieler heute urtheilt:eine Reihe starker Scenen, eine stärker als die andre, —und, dazwischen, viel kluge Stupidität. Er sucht sichselbst zuerst die Wirkung seines Werkes zu garantiren,er beginnt mit dem dritten Akte, er beweist sich seinWerk mit dessen letzter Wirkung. Mit einem solchenTheaterverstande als Führer ist man nicht in Gefahr,unversehens ein Drama zu schaffen. Das Drama verlangtdie_harte Logik: aber was lag Wagnern überhaupt ander Logik! Nochmals gesagt: es ist nicht das PublikumCorneille’s, das er zu schonen hatte: blosse Deutsche!.Man ■ weiss, bei welchem technischen Problem der Dra-
*) Anmerkung. Es ist ein wahres Unglück für die Ästhetikgewesen, dass man das Wort Drama immer mit „Handlung“ übersetzt hat.Nicht Wagner allein irrt hierin; alle Welt ist noch im Irrthum; diePhilologen sogar, die es besser wissen sollten. Das antike Drama hatte,grosse Pathosscenen im Auge, — es schloss gerade die Plandlung aus(verlegte sie vor den Anfang oder hinter die Scene).. Das Wort Dramaist dorischer Herkunft: und nach dorischem Sprachgebrauch bedeutet es„Ereigniss“, „Geschichte“, beide Worte in hieratischem Sinne. Das ältesteDrama stellte die Ortslegende dar, die „heilige Geschichte“, auf der dieGründung des Cultus ruhte (— also kein Thun, sondern ein Geschehen:SqÜv heisst im Dorischen gar nicht „thun“).