Druckschrift 
8 : Abth. 1, Bd. 8 (1895) Der Fall Wagner [u.a.]
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

aus ihr zu machen, was er nöthig hatte, eine Theater-Rhetorik, ein Mittel des Ausdrucks, der Gebärden-Ver-stärkung, der Suggestion, des Psjmhologisch-Pittoresken.Wagner dürfte uns hier als Erfinder und Neuerer erstenr Ranges gelten er hat das Sprachvermögen derMusik ins Unermessliche vermehrt: er ist derVictor Hugo der Musik als Sprache. Immer voraus-gesetzt, dass man zuerst gelten lässt, Musik dürfe unterUmständen nicht Musik, sondern Sprache, sondern Werk-zeug, sondern ancilla dramaturgica sein. Wagners Musik,nicht vom Theater-Geschmacke, einem sehr tolerantenGeschmacke, in Schutz genommen, ist einfach schlechteMusik, die schechteste überhaupt, die vielleicht gemachtworden ist. Wenn ein Musiker nicht mehr bis dreizählen kann, wird erdramatisch, wird erWag-nerisch . . .

Wagner hat beinahe entdeckt, welche Magie selbstnoch mit einer aufgelösten und gleichsam elemen-t arisch ge machten. Musik ausneübt werden kann. SeinBewusstsein davon geht bis ins Unheimliche, wie seinInstinkt, die höhere Gesetzlichkeit, den Stil gar nichtnöthig zu haben.. Das Eiernentarische genügt Klang,Bewegung, Farbe, kurz die Sinnlichkeit der Musik,Wagner rechnet nie als Musiker, von irgend einemMusiker-Gewissen aus:' er will die Wirkung, er willNichts als die Wirkung. Und er kennt das, worauf erzu wirken hat! Er hat darin die Unbedenklichkeit,die Schiller hatte, die jeder Theatermensch hat, er hatauch dessen Verachtung der Welt, die er sich zu Füssenlegt! . .-. Man ist Schauspieler damit, dass man EineEinsicht vor dem Rest der Menschen voraus hat: wasals wahr wirken soll, darf nicht wahr sein. Der Satz istvon Talma formulirt: er, enthält die ganze Psychologie