Druckschrift 
8 : Abth. 1, Bd. 8 (1895) Der Fall Wagner [u.a.]
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

bleibt dabei populär, sie hat das Raffinement einerRasse, nicht eines Einzelnen. Sie ist reich. Sie istpräcis. Sie baut, organisirt, wird fertig: damit macht sieden Gegensatz zum Polypen in der Musik, zurunend-lichen Melodie. Hat man je schmerzhaftere tragischeAccente auf der Bühne gehört? Und wie werden dieselbenerreicht! Ohne Grimasse! Ohne Falschmünzerei! Ohne dieLüge des grossen Stils! Endlich: diese Musik nimmtden Zuhörer als intelligent, selbst als Musiker, sie istauch damit das Gegenstück zu Wagner, der, was immersonst, jedenfalls das unhöflichste Genie der Welt war

(Wagner nimmt uns gleichsam als ob-, er sagt Ein

Ding so ..oft, bis man verzweifelt, bis mans glaubt).

Und nochmals: ich werde ein besserer Mensch, wennmir dieser Bizet zuredet. Auch ein besserer Musikant,ein besserer Zuhörer. Kann man überhaupt noch besserzuhören? Ich vergrabe meine Ohren noch unter dieseMusik, ich höre deren Ursache. Es scheint mir, dass ichihre Entstehung erlebe ich zittere vör Gefahren, dieirgend ein Wagniss begleiten, ich bin entzückt überGlücksfälle, an denen Bizet unschuldig ist. Und selt-sam! im Grunde denke ich nicht daran, oder weiss esnicht, wie sehr ich daran denke. Denn ganz andereGedanken laufen mir während dem durch den Kopf. . .Hat man bemerkt., dass die Musik den Geist freimacht? dem Gedanken Flügel giebt? dass man um somehr Philosoph wird, je mehr man Musiker wird?Der graue Himmel der Abstraktion wie von Blitzendurchzuckt; das Licht stark genug für alles Filigran derDinge; die grossen Probleme nahe zum Greifen; dieWelt wie von einem Berge aus überblickt. Ich defi-nirte eben das philosophische Pathos. Und unver-sehens fallen mir Antworten in den Schooss, ein kleiner