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muss Goethe, während eines langen Lebens, eine ausser-ordentliche mehrmalige Neufärbung und Abänderung desStils gemerkt haben. Wir stehen jetzt unter dem Ein-flüsse des übermässigen Zeitungslesens, besonders nach demJahre 1848. Man muss sorgsamer als je sein, wenn unsereSprache nicht allmählich den Eindruck der Gemeinheitmachen soll.
§ 7 .
Der tropische Ausdruck.
Cic. de orat. III 38, 155 sagt, die metaphorische Rede-weise ist von der Nothwendigkeit im Drang der Armuthund Verlegenheit erzeugt, nachmals aber gesucht wordenwegen ihrer Anmuth. »Wie die Kleidung zuerst, um dieKälte abzuwehren, erfunden, nachmals auch zum Schmuckund zur Veredlung des Körpers gebraucht wurde, so ent-sprang der Tropus aus Mangel und wurde häufig gebraucht,wenn er ergötzte. Selbst die Landleute reden von denAugen der Reben 8 ), gemmare vites, luxuriem esse in herbis,laetas segetes, sitientes agri. Metaphern sind gleichsam ge-liehenes Gut, das man anderwärts nimmt, weil man esselbst nicht hat.« Gegensatz der xopioXoy ia xuptoXs£ia y.opiw-vufucc und der -povr/.r, ©pacnc. Oder proprietas und im-proprium (axupov). Quintil. VIII 2, 3 bezeichnet einmal alsproprietas die niedere volksmässige, von der man nichtimmer abweichen könne, da man nicht für alles passendeAusdrücke habe, z. B. müsse man iaculari auch sagen,wenn pilis geworfen werde, lapidare, wenn glebis odertestis. Dergleichen abusio oder v.axdyjjr^i: sei nothwendig.Sodann ist ihm proprietas auch die Urbedeutung der Wörter,z. B. vertex sei eigentlich contorta in se aqua, dann quid-quid aliud similiter vertitur, dann die pars summa capitis(propter flexum capillorum), dann id quod in montibuseminentissimum. Die eigentlichen Bedeutungen erscheinenso als die älteren, schmucklosen. Dagegen richtig JeanPaul, Vorschule der Aesthetik: »Wie im Schreiben Bilder-schrift früher war als Buchstabenschrift, so war im Sprechen
8 ) 6 Trj; dcpjr^Xou <5cpdctXij.0;.