Druckschrift 
18 : Abth. 3, Philologica ; Bd. 2 (1912) Unveröffentlichtes zur Litteraturgeschichte, Rhetorik und Rhythmik
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

258

jede Einseitigkeit vernichtet den Erfolg. Die ästhetischeBezauberung soll zu dem moralischen Zutrauen hinzu-kommen, beide sollen sich nicht aufheben: die admiratiodes Kämpfers ist ein Hauptmittel des mlfavov. Ciceroschreibt an Brutus: nam eloquentiam, quae admirationemnon habet, nullam iudico. Er sagt De orat. III 14, 52 s. [...]:»Niemals ist ein Redner darum bewundert worden, weil erlateinisch sprach: kann er das nicht, so wird er aus-gezischt und kaum für einen Menschen, geschweige füreinen Redner gehalten. Noch niemand hat den gepriesen,der so redete, dass die Anwesenden ihn verstehen konnten,sondern den verachtet, der das nicht konnte. Wer alsoerschüttert die Menschen ? Wer fesselt die staunendenBlicke? Wem tönt lauter Beifall? Wer ist sozusagen derGott unter den Menschen? Wer deutlich, wer zusammen-hängend, wer mit reicher Fülle und strahlender Pracht derSachen und der Worte redet und dabei fast in dichterischenRhythmen sich bewegt das ists, was ich schön nenne.Wer zugleich sich so weit mässigt, als es die Würde derSachen und Personen verlangt, von dem sage ich, dass erdas Lob eines angemessenen Vortrags verdient.« Hier er-scheint das Cha.r akteristische fast als eine Ein-schränkung des Schönen * * * 5 ): während gewöhnlich dasSchöne als Einschränkung des Charakteristischen betrachtetwird. Sehr schön sagt der Autor des dialog. de orator.c. 22 6 ): »Ich verlange vom Redner, wie von einem wohl-habenden und stattlichen Hausvater, dass das Haus, in demer lebt, nicht nur gegen Regen und Wind schütze, sondernauch Sinne und Augen erfreue, dass er sich ein Hausgeräthschaffe, nicht nur zur Befriedigung der nächsten Bedürfnisse,sondern dass auch Gold und Edelgestein in seinen Schränkenliege, das man bisweilen in die Hand nehmen und anschauenmag.« Die Abwesenheit jedes Schmuckes wird c. 23 keines-

B ) Ebenso Quintilian I 5, 1 (quia dicere apte, quod est prae-

cipuum (fort, ego Ttp^Trov) plerique ornatui subiciunt) fängt so an: iam

cum omnis oratio tres habeat virtutes, ut emendata ut dilucida ut

ornata sit.

6 ) [Die lateinischen Citate sind in dem ganzen Abschnitt am Randemeist vollständiger ausgeschrieben.]