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18 : Abth. 3, Philologica ; Bd. 2 (1912) Unveröffentlichtes zur Litteraturgeschichte, Rhetorik und Rhythmik
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man muss also an die Kunst der Vertauschung nicht er-innert werden, weil sonst der Zuhörer misstrauisch wirdund überlistet zu werden fürchtet. Es giebt also, auch inder Rhetorik, eine »Nachahmung der Natur«, als Haupt-mittel zu überzeugen: nur wenn der Sprechende und seineSprache einander ädaquat sind, glaubt der Zuhörer an denErnst und die Wahrheit der vertretenen Sache; er er-wärmt sich für den Redner und glaubt an ihn nämlichdass er selbst an seine Sache glaubt, also redlich ist.Die »Angemessenheit« geht also auf einen moralischenEffekt [hinaus, Deutlichkeit (und Reinheit) auf einen in-tellektuellen: verstanden will man werden, als redlich willman gelten. Die »Reinheit« ist schon eine halb künstlerischeBeschränkung des Charakteristischen; denn in dem Mundevieler würden, zur vollen Täuschung, auch Soloecismen undBarbarismen nöthig sein (zu erinnern an die Art, wieShakespeare Pförtner und Ammen auftreten lässt, KtXtaaain den Choephoren). Das Charakteristische wird also ein-mal gebrochen durch Uebertragung in die gebildeteSprachsphäre. Zweitens durch das allgemeine Erfordernissvom »Schmuck der Rede«. Dieser ist aus der agonalenNeigung der Alten zu erklären alles öffentliche Auf-treten des Individuums ist ein Wettkampf: dem Kämpferaber ziemen nicht nur starke, sondern auch glänzendeWaffen. Nicht nur angemessen, sondern schön muss mandie Waffen handhaben, nicht nur zu siegen, sondern»elegant« zu siegen, ist Erforderniss bei einem agonalenVolke. Ausser dem Eindruck der »Redlichkeit« soll auchder Eindruck der Ueberlegenheit, in der Freiheit,Würde, Schönheit der Form des Kampfes, hervorgebrachtwerden. Das eigentliche Geheimniss der rhetorischen Kunstist nun das weise Verhältniss beider Rücksichten, auf dasRedliche und auf das Künstlerische. Ueberall, wo die»Natürlichkeit« nackt nachgeahmt wird, fühlt sich derkünstlerische Sinn der Zuhörer beleidigt, wo dagegen reinein künstlerischer Eindruck erstrebt wird, wird leicht dasmoralische Zutrauen des Zuhörers gebrochen. Es ist einSpiel auf der Grenze des Aesthetischen und Moralischen:

Nietzsche, Werke. III. Abth., Bd. XVIII. (Philologie» II.) 17