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18 : Abth. 3, Philologica ; Bd. 2 (1912) Unveröffentlichtes zur Litteraturgeschichte, Rhetorik und Rhythmik
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durchgeht, unverletzt: innerhalb desselben aber die zartestenModifikationen nöthig sind. Der charakteristische Stil istdas eigentliche Kunstbereich des Redners: hier übt er einefreie plastische Kraft, die Sprache ist für ihn ein be-reites Material. Hier ist er nachahmender Künstler, erredet ähnlich wie der Schauspieler aus einer fremden Personoder einer ihm fremden Sache heraus: hier liegt der Glaubezu Grunde, dass Jeder in seiner eigensten Manier seineSache am besten führt, d. h. am überzeugendsten wirkt.Dabei empfindet der Zuhörer die Natürlichkeit, d. h. dieunbedingte Angemessenheit und Einheitlichkeit: währender, bei jeder Abweichung davon, die Künstlichkeit empfindetund dann misstrauisch gegen die vertretene Sache wird.Die Kunst des Redners ist, nie eine Künstlichkeit merkenzu lassen: daher der charakteristische Stil, der aber erstrecht ein Produkt der höchsten Kunst ist: wie die »Natür-lichkeit« des guten Schauspielers. Der wahre Redner redetaus dem fjloc der von ihm vertretenen Person oder Sacheheraus: er erfindet die besten Apologieen und Argumente(wie sie gewöhnlich nur der Egoismus findet), die über-redendsten Worte und Manieren: das Merkwürdige an ihmist, dass er durch Kunst, durch ein Vertauschen der Per-sonen und durch darüber schwebende Besonnenheit alles dasfindet und sich zu Nutze macht, was der beredteste An-walt jedes Menschen und jeder Partei, der Egoismus, nurzu finden vermag. Es ist eine Vertauschung des ego wiebei dem Dramatiker. Goethe betont, dass alle bei Sophoklesauftretenden Personen die besten Redner sind; denn wennjede gesprochen, hat man immer den Eindruck, dass ihreSache die gerechteste und beste ist. Das ist eben die Wirkungdes charakteristischen Stils, durch den Sophokles, zur Reifegelangt, sich auszeichnete, nach seinem eigenen Zeugniss.

§ 5 .

Die charakteristische Rede im Verhältnis zum Schmuckder Rede.

Im Munde dessen, der für sich oder eine Sache redet,muss die Rede ganz angemessen und natürlich erscheinen: