252
An sich giebt es weder eine reine noch eine unreine Rede.Sehr wichtiges Problem, wie sich das Gefühl für die Rein-heit allmählich bildet, und wie eine gebildete Gesellschaftwählt, bis sie das ganze Bereich umschrieben hat. Offen-bar verfährt sie hier nach unbewussten Gesetzen undAnalogieen; eine Einheit, ein einheitlicher Ausdruck wirderreicht: wie einem Volksstamm ein Dialekt genau ent-spricht, so einer Societät ein als »rein« sanktionirter Stil. —In Perioden eines Sprachwachsthums ist von »Reinheit« nichtdie Rede: nur bei einer abgeschlossenen Sprache. Barba-rismen, häufig wiederholt, gestalten endlich die Sprache um:so bildete sich die xoivyj yXijiaaa, später die byzantinischeptuixatxyj yAöjaaa, endlich das gänzlich barbarisirte Neu-griechisch. Wie viel Barbarismen haben daran gearbeitet,um aus dem Lateinischen die romanischen Sprachen zubilden. Und durch diese Barbarismen und Soloecismen kames zu gutem, sehr gesetzmässigem Französisch!
Das x a & a p o v xrjc XsLuk allgemeines Erforderniss:nicht nur grammatische Correktheit, sondern auch richtigeWahl der Worte. Aristot. Rhet. III 5 sagt: dpyj t xy)? Xscew?to iXX^vtCstv. Die späteren Redner gehen im reinen Atti cis-mus bis zur Manierirtheit. Bei Cornific. IV 12, 17 wirdebenso die latinitas betont — welche die Rede freihält vonSoloecismen, syntaktischen Verstössen, und Barbarismen,Verstössen gegen die Formenlehre (das Wort von derathenischen Colonie 26 Xol in Cilicien, besonders schlechtesGriechisch Strabo XIV p. 663). Die Barbarismen sindfolgende: 1. Trpoahscii;: z. B. 2<oxpdx7jv für StuxpaY/), relliquiaeals »adiectio litterae«; 2. d<pai'psaie: 'Epp^j statt 'Epp-Tjv, pretorfür praetor als »detractio litterae«; 3. svaXXa-pj: z. B. 7j0uvd[xr;vfür ISovdp.TjV als immutatio litterae, si litteram aliam proalia pronuntiemus ut arvenire pro advenire; 4. p.sxdlhcji?:Bpupoufür oicppov, transmutatio litterae Evandre statt Evander;5. mvakoKD-q : 6 öa'xspoc statt 6 sxspos bei Menander, weil dieCrasis fta'xspov nur das Neutrum betreffen kann; 6. Siai'psais:z. B. AvjpLocj&svia statt A^p-oahevr,; 7. xaxa xovov: z. B. ßooXwp.aifür ßouXopai; 8. xaxa /povooc: z. B. steteruntque comae;9. xaxa ~vsuu.a: z. B. aopiov statt aüpiov, omo für homo,