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18 : Abth. 3, Philologica ; Bd. 2 (1912) Unveröffentlichtes zur Litteraturgeschichte, Rhetorik und Rhythmik
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waren, ja, dass die Rhetorik eine Fortbildung derin der Sprache gelegenen Kunstmittel ist, amhellen Lichte des Verstandes. Es giebt gar keine un-rhetorische »Natürlichkeit« der Sprache, an die man appellirenkönnte: die Sprache selbst ist das Resultat von lauter rhe-torischen Künsten. Die Kraft, welche Aristoteles Rhetoriknennt, an jedem Dinge das heraus zu finden und geltendzu machen, was wirkt und Eindruck macht, ist zugleichdas Wesen der Sprache: diese bezieht sich ebensowenig wiedie Rhetorik, auf das Wahre, auf das Wesen der Dinge,sie will nicht belehren, sondern eine subjektive Erregungund Annahme auf Andere übertragen. Der sprachbildendeMensch fasst nicht Dinge oder Vorgänge auf, sondernReize: er giebt nicht Empfindungen wieder, sondern sogarnur Abbildungen von Empfindungen. Die Empfindung,durch einen Nervenreiz hervorgerufen, nimmt das Dingnicht selbst auf: diese Empfindung wird nach aussen hindurch ein Bild dargestellt: es fragt sich aber überhaupt,wie ein Seelenakt durch ein Tonbild darstellbar ist? Müsstenicht, wenn vollkommen genaue Wiedergabe stattfindensollte, vor allem das Material, in welchem wiedergegebenwerden soll, dasselbe sein, wie dasjenige ist, in dem dieSeele arbeitet? Da es nun aber ein Fremdes ist --- derLaut-, wie kann da Genaueres herauskommen als einBild? Nicht die Dinge treten ins Bewusstsein, sonderndie Art, wie wir zu ihnen stehen, das tuüocvov. Das volleWesen der Dinge wird nie erfasst. Unsere Lautäusserungenwarten keineswegs ab, bis unsere Wahrnehmung und Er-fahrung uns zu einer vielseitigen, irgendwie respektabelnErkenntniss der Dinge verholfen hat: sie erfolgen sofort,wenn der Reiz empfunden ist. Statt der Dinge nimmt dieEmpfindung nur ein Merkmal auf. Das ist der ersteGesichtspunkt: die Sprache ist Rhetorik, denn siewill nur eine o6£a, keine sTnaTrjij-rj übertragen.

Als wichtigstes Kunstmittel der Rhetorik gelten dieTropen, die uneigentlichen Bezeichnungen. Alle Wörteraber sind an sich und von Anfang an, in Bezug auf ihreBedeutung, Tropen. Statt des wahren Vorgangs stellen sie