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18 : Abth. 3, Philologica ; Bd. 2 (1912) Unveröffentlichtes zur Litteraturgeschichte, Rhetorik und Rhythmik
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was diesen Blättern ihren dauernden Reiz und Werth auchfür den Gelehrten verleiht. In erster Linie die Fragestellungen,die »Gesichtspunkte«, unter denen der Stoff geordnet undbetrachtet wird. Charakteristisch ist da vor allem der drittezusammenfassende Theil der Geschichte der griechischenLitteratur beiläufig, nur das Anfangsstück eines ge-planten grösseren Werkes, für das Stichwörter und Mate-rialien im Nachlass vorhanden sind. Nietzsche geht an diealten Dinge vielfach auf Wegen heran, auf die sich viel-leicht Jacob Burckhardt wagte (man denke etwa an dessen»weltgeschichtliche Betrachtungen«), die aber die Philologieder siebenziger Jahre auch die Ritschls vermied odernicht kannte; und selbst wo er die Röute einschlägt, diesozusagen offiziell markirt und gesichert war (wie in derRhetorik), zeigen sich ihm doch oft genug unbeachteteFernblicke und übersehene Feinheiten am Wege. Es giebtnur Ein philologisches Buch aus jener Zeit, in dem sich,trotz aller Verschiedenheit der Flaltung und Arbeitstechnik,ein ähnlicher Geist verräth: Erwin Rohdes griechischerRoman.

Das Erfreulichste, das diese Bände dem Leser dar-bieten, steckt wohl in den Charakterzeichnungen und Ur-theilen über litterarische Persönlichkeiten und ihr Werk.Der junge Nietzsche weiss um ein Wort seines MeistersRitschl zu gebrauchen, dass ein Gelehrter, der zumVerständniss fremden Wesens gelangen will, »schlechter-dings mit der Liebe anfangen muss, und nicht mit derKritik«. Er denkt noch: in positivo salus. Wie verstehter es, selbst Erscheinungen, die ihm innerlich fernbleiben,wie Xenophon, gerecht zu werden! In einer Zeit, woauch in Philologenkreisen die blinde Cicerohetze anhub,findet er begeisterte Worte für die Persönlichkeit undKunst des Mannes, der »das unermessliche Verdienst hatte,die klassische Sprache der römischen Weltkultur gefundenzu haben« (S. 229). Da spricht überall der feine Psycho-loge , der verschwenderisch reich begabte Mensch, derwerdende grosse Schriftsteller und Poet kurz, der Pairunter seinen Pairs.