\
.
Stocks zu sehn und zu preisen. Im Einschlafen abersprach Zarathustra also zu seinem Herzen:
„Still! Still! Ward die Welt nicht eben vollkommen?
Was geschieht mir doch?
Wie ein zierlicher Wind, ungesehn, auf getäfeltemMeere tanzt, leicht, federleicht: so — tanzt der Schlafauf mir.
Kein Auge drückt er mir zu, die Seelfe lässt er mirwach. Leicht ist er, wahrlich! federleicht.
Er überredet mich, ich weiss nicht wie?, er betupftmich innewendig mit schmeichelnder Hand, er zwingtmich. Ja, er zwingt mich, dass meine Seele sich aus-streckt: —
— wie sie mir lang und müde wird, meine wunder-liche Seele! Kam ihr eines siebenten Tages Abendgerade am Mittage? Wandelte sie zu lange schon seligzwischen guten und reifen Dingen?
Sie streckt sich lang aus, lang, — länger! sie liegtstille, meine wunderliche Seele. Zu viel Gutes hat sieschon geschmeckt, diese goldene Traurigkeit drückt sie,sie verzieht den Mund.
— Wie ein Schiff, das in seine stillste Bucht ein-lief: — nun lehnt es sich an die Erde, der langenReisen müde und der ungewissen Meere. Ist die Erdenicht treuer?
Wie solch ein Schiff sich dem Lande anlegt, an-schmiegt: — da genügt’s, dass eine Spinne vom Landeher zu ihm ihren Faden spinnt. Keiner stärkeren Tauebedarf es da. ,
V ■ J
Nietzsche, Werke Band VI.
401
26