fr
Vögeln gleich kamt ihr zu mir und meiner Begierde —nein, als Trauende zu dem Trauenden!
Ja, zur Treue gemacht, gleich mir, und zu zärt-lichen Ewigkeiten: muss ich nun euch nach eurer
Untreue heissen, ihr göttlichen Blicke und Augenblicke:keinen andern Namen lernte ich noch.
Wahrlich, zu schnell starbt ihr mir, ihr Flüchtlinge.Doch floht ihr mich nicht, noch floh ich euch: unschuldigsind wir einander in unsrer Untreue.
Mich zu tödten, erwürgte man euch, ihr Singvögelmeiner Hoffnungen! Ja, 'nach euch, ihr Liebsten, schossimmer die Bosheit Pfeile — mein Herz zu treffen!
Und sie traf! AVart ihr doch stets mein Herzlichstes,mein Besitz und mein Besessen-sein: darum musstet ihrjung sterben und allzu frühe!
Nach dem Verwundbarsten, das ich besass, schossman den Pfeil: das wäret ihr, denen die Haut einemFlaume gleich ist und mehr noch dem Lächeln, das aneinem Blick erstirbt!
Aber diess Wort will ich zu meinen Feinden reden:was ist alles Menschen-Morden gegen Das, was ihr mirthatet!
Böseres thatet ihr mir, als aller Menschen-Mord ist;Unwiederbringliches nahmt ihr mir: — also rede ich zueuch, meine Feinde!
Mordetet ihr doch meiner Jugend Gesichte undliebste Wunder! Meine Gespielen nahmt ihr mir, dieseligen Geister! Ihrem Gedächtnisse lege ich diesenKranz und diesen Fluch nieder.
Diesen Fluch gegen euch, meine Feinde! Machtet
11
—t
Nietzsche, Werke Band VI.
16 r
j